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UnternehmenAustria 09

Integration mit bunten Farben und Pinselstrichen

11.09.2009 | 13:24 | VON KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Bild: (c) Integrationshaus

Im steirischen Judenburg haben Helmuth A. Ploschnitznigg und Reinhard Kollmann gemeinsam eine österreichweit einzigartige Integrationseinrichtung gegründet. Man setzt auf die verbindende Wirkung von Kunst und Kreativität.

„Es hat eine atemberaubende Dynamik bekommen“, staunt Helmuth A. Ploschnitznigg über das, was vor vier Jahrzehnten mit einem Kennenlernen einer Lebenshilfe-Einrichtung begonnen hat. „Das war zwar toll, hat aber irgendwie den Charakter eines Ghettos gehabt“, erinnert sich Ploschnitznigg. Heute leitet er gemeinsam mit Reinhard Kollmann mit der „Simultania Liechtenstein“ im obersteirischen Judenburg eine Behinderten-Betreuungseinrichtung, die als offenes Haus Ploschnitzniggs Vorstellungen einer tatsächlichen Integration von Behinderten in der Gesellschaft entspricht. – Wobei die Bewohner und Betreuten bei „Simultania“ nicht wie in anderen Integrationseinrichtungen etwas gewunden „Klienten“ oder „Kunden“, sondern respektvoll „Freunde“ genannt werden.

Malen als Sprache

32 davon besuchen die Tagesstätte, 15 leben in einem benachbarten, 2007 eröffneten „Simultania“-Haus im Rahmen von betreutem Wohnen. Als Integrationsschiene dienen eine Kinderkrippe für zwölf Kinder beziehungsweise die Unterrichtskooperation mit dem angrenzenden Gymnasium, dessen Bildnerische-Erziehung-Stunden zur „Simultania“ „outgesourct“ wurden . „So haben wir bis zu 90 Kinder pro Tag im Haus“, freut sich Ploschnitznigg.

Im gemeinsam genutzten Atelier führe das zu Kontakten, „die nicht gemacht sind, sondern von selbst kommen“, unterstreicht er die Bedeutung des gegenseitigen Kennenlernens als Basis für Integration. Methodisch wird auf „zufällige Integration“ gesetzt: Wer möchte, kann, muss sich aber nicht integrieren. Es funktioniert. Ploschnitznigg: „Die Schüler können von der Lebenseinstellung und den individuellen Fähigkeiten der Menschen mit Behinderung profitieren.“

Das Malen – auch für Ploschnitzniggs „Freunde“ ist es viel mehr als nur eine Beschäftigungstherapie. Sie wachsen an der Herausforderung, freuen sich über ihre eigenen Leistungen und die Akzeptanz und Anerkennung, die ihnen vom Publikum bei zahlreichen Ausstellungen und durch Auftragsarbeiten entgegengebracht werden (aktuell gestaltet man den Kalender für einen französischen Pharmakonzern). „Das Malen ist ein wichtiges Mittel der Sprache, aber auch der Begegnung“, sagt Ploschnitznigg. Er hat dafür sogar eine eigene Maltherapie erfunden, für die nach ersten Erfolgen gerade das ministerielle Genehmigungsverfahren läuft. „Menschen mit Behinderung sind keine defizitären Wesen, die es gilt, ,normal' zu machen“, tritt Ploschnitznigg für einen unverkrampften Umgang ein. Er selbst ist weit über die Grenzen Judenburgs als rastloser Kämpfer für seine „Freunde“ und die „Simultania“-Einrichtung bekannt. Ausgangspunkt war eine Mischung aus wachsender Unzufriedenheit mit den Bedingungen von Behinderten und dem Erkennen, was möglich wäre. „Ich brauche ein eigenes Haus“, dachte er sich Mitte der 1990er-Jahre.

„Augen geöffnet“

Ab 1999 wird der Traum langsam wahr. Von Luitpold Liechtenstein, adeligem Chef eines Forstwirtschaftsbetriebs aus der Region, bekommt er ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Mit Unterstützung des damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil werden Spenden und Sponsoren aufgetrieben, im Mai 2004 erfolgt der Spatenstich, nur vier Monate später wird das Integrationshaus „Simultania Liechtenstein“ eröffnet.

Es herrscht ein kreatives, familiäres Klima, bei dem auch das Umfeld der „Freunde“ in die Betreuung integriert ist. Seine eigene Familiengeschichte hat Ploschnitznigg diesbezüglich geleitet: Sein drittes Kind kam schwerstbehindert auf die Welt. „Das hat mir die Augen geöffnet in Richtung der betroffenen Familien“, sagt er.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2009)

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Bild: (c) Integrationshaus