Sicher kein grauer Star
13.04.2007 | 18:33 | MATTHIAS RAFTL (Die Presse)
Oliver Findl, 39, Professor am AKH, derzeit leitender Oberarzt Moorfields Eye Hospital.
Der Spezialist für Katarakt-Chirurgie (grauer Star) wusste eigentlich schon immer, was er will. Zielstrebigkeit ist eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften. Schon gegen Ende seines Medizinstudiums entschied sich der anglophile Wiener (er besuchte die Vienna International School) für die Augenheilkunde: „Weil man dort chirurgisch tätig sein und auch konservativ therapieren kann, weil man Patienten aller Altersgruppen betreut und auch technisch sehr anspruchsvoll arbeitet.“
Nicht zuletzt bietet die Ophthalmologie ein breites Feld neuer Forschungsgebiete. Seine wissenschaftliche Karriere mit bis dato über 160 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften startete der Experte für den vorderen Augenabschnitt an der Harvard Medical School. Dort forschte er nach dem Abschluss seines Studiums (1993) ein Jahr lang. Im Anschluss daran begann er seine Ausbildung an der Augenklinik der Medizinischen Universität Wien am AKH.
Hier initiierte er zahlreiche Kooperationen unter anderem mit dem Institut für medizinische Physik, was zur Weiterentwicklung der klinischen Forschungsgruppen beitrug. Neben der Katarakt-Chirurgie widmete er sich auch intensiv den Ursachen der Kurzsichtigkeit und der Augen-Durchblutung.
Besonders stolz ist der seit dem Jahr 2000 habilitierte Arzt und Forscher auf die von ihm entwickelten innovativen Lehrmethoden, für die er zahlreiche Preise erhielt. Er entwarf 3D-Animationen von gängigen Augenoperationen, computerunterstützte Fallsimulationen und multimedial illustrierte Lern-Materialien für Studenten. „Die Augenheilkunde ist selbst ein hoch visuelles Fach, diese Tools sind hier sehr hilfreich in der Vermittlung von Wissen.“
Anglo-amerikanisches Mentorship
Im Herbst 2006 wechselte der permanent nach neuen Herausforderungen Suchende samt Frau und den zwei Kindern (6 und 8 Jahre) als leitender chirurgischer Oberarzt für drei Jahre an das weltgrößte Augen-Spital nach London, das Moorfields Eye Hospital, an dem jährlich über 27.000 Augenoperationen – durchwegs ambulant – durchgeführt werden. Auch das Gebiet der Netzhaut-Chirurgie kann der Katarakt-Spezialist hier optimieren. „Es ist eine Freude, jüngere Kollegen zu unterstützen. Ihnen etwas beizubringen, Eigenverantwortung zu übertragen und selbst loszulassen, ist hier selbstverständlich.“
Zum Drüberstreuen absolvierte der Wissbegierige, der seine Privatordination in Wien trotz Auslandsaufenthalt selbst weiterführt, von 2005 bis 2007 einen MBA für Health Care Management (MedUni Wien, Uni Wien und FH für Wirtschaft Berlin), von dem er laut eigenen Angaben „extrem profitierte“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2007)