ifo-Index: Wirtschaftsklima steigt zum vierten Mal in Folge
23.02.2012 | 12:43 | (DiePresse.com)
Die deutsche Konjunktur wird derzeit von der Binnenwirtschaft getragen. Der Index sagt die Entwicklung für Aussichten und Lage der Geschäfte voraus.
Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im Februar den vierten Monat in Folge verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 109,6 von 108,3 Punkten im Vormonat, teilte das Münchner ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mit. Analysten hatten nur einen leichten Anstieg auf 108,8 Zähler erwartet. "Die deutsche Konjunktur wird derzeit von binnenwirtschaftlichen Auftriebskräften getragen", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die Firmenchefs blicken optimistisch auf die kommenden sechs Monate. Das Barometer für die Geschäftsaussichten legte von 100,9 Punkten auf 102,3 Zähler zu. Hier hatten Analysten mit 102,0 Punkten gerechnet. Auch die Geschäftslage wurde besser bewertet. Dieser Index stieg auf 117,5 von 116,3 Punkten und übertraf ebenfalls die Erwartungen.
Trotz vieler Risiken sieht das Münchner Institut die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs. "Im Moment sieht es nicht nach einer Rezession aus", sagte Abberger. "Die deutsche Wirtschaft zeigt sich recht robust, besonders die Binnenwirtschaft ist stabil. Aber abhaken kann man die Risiken noch nicht." Die größte Gefahr gehe nach wie vor von der Schuldenkrise in der Euro-Zone aus, in die etwa 40 Prozent der deutschen Exporte gehen. Der Währungsunion droht in diesem Jahr eine Rezession, weil harte Sparprogramme, Lohnkürzungen und Steuererhöhungen die Wirtschaft belasten.
Hohe Spritpreise bedrohen Konjunktur
Teures Öl und Benzin können dem ifo-Institut zufolge die Konjunkturerholung in Deutschland bedrohen. "Mit den steigenden Kraftstoffpreisen ist ein weiteres Risiko hinzugekommen", sagte ifo-Experte Klaus Abberger. "Das kann den privaten Konsum belasten, ebenso die Autobranche." Schuld an den rekordhohen Kraftstoffpreisen sei die Kombination aus einem hohen Ölpreis und einem moderaten Euro-Kurs, der die Dollar abgerechneten Importe zusätzlich verteure. "Das zusammen führt zu einem hohen Öl- und Benzinpreis", sagte Abberger. Benzin und Diesel waren in dieser Woche so teuer wie noch nie.
Der ifo-Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer. Es sagt die Entwicklung der kommenden Monate recht zuverlässig vorher. Ende 2011 war die Wirtschaft wegen der Schuldenkrise um 0,2 Prozent geschrumpft und damit erstmals seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009. Auch für das erste Quartal 2012 erwarten einige Ökonomen noch einen Dämpfer, bevor es dann wieder spürbar bergauf gehen sollte. Die deutsche Regierung rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, das sich 2013 auf 1,6 Prozent mehr als verdoppeln dürfte.
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(APA/Ag.)
