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Wirtschaft » International

Peugeot liebäugelt mit Opel

22.02.2012 | 18:34 | (Die Presse)

Bild: (c) REUTERS (BENOIT TESSIER)

Beide Hersteller hatten zuletzt Schwierigkeiten, ihre Fahrzeuge in Europa abzusetzen. Eine Kooperation könnte Abhilfe schaffen. Experten zweifeln allerdings daran, die beiden Konzerne geben sich zurückhaltend.

Wien/Ag./Nst. Eine umfassende Zusammenarbeit soll aus dem zuletzt eher schlechten Geschäft ein besseres machen. Zumindest dürfte man das in den Chefetagen der Autokonzerne PSA Peugeot Citroën und der Opel-Mutter General Motors so sehen. Die beiden Hersteller verhandeln nämlich über eine mögliche Kooperation, wie am gestrigen Mittwoch bekannt wurde. Der französische Arbeitsminister, Xavier Bertrand, bestätigte entsprechende Gespräche in fortgeschrittenem Stadium.

Unbestätigten Informationen zufolge geht es bei der Allianz der beiden Autobauer nicht um eine Fusion oder einen Aktientausch, sondern um eine umfassende Zusammenarbeit bei der Herstellung von Kleinwagen.

Die beiden Konzerne kommentierten die Medienberichte höchst zurückhaltend. Peugeot teile ganz allgemein mit: „Es kann keine Gewissheit geben, dass diese Gespräche zu einer Einigung führen werden.“ Und auch der größte Autobauer der Welt, General Motors, gab sich zugeknöpft. In der Branche seien Dialoge mit anderen Konzernen durchaus üblich, hieß es. Die Berichte wurden weder bestätigt noch dementiert.

Peugeot unterhält bereits Kooperationen mit anderen Herstellern. So arbeitet das Unternehmen in technischen Belangen mit BMW, Ford und auch Renault zusammen. Gemeinsame Plattformen gibt es wiederum mit Fiat, Mitsubishi und Toyota. Experten zweifeln allerdings an der Sinnhaftigkeit einer Allianz zwischen Peugeot und Opel, weil beide Firmen mit den gleichen Problemen kämpfen. Andererseits könnte eine umfassende Kooperation Herstellungskosten drücken.

Die Aktionäre zeigten sich indes erfreut. Die Peugeot-Aktie legte am gestrigen Mittwoch zeitweise um gut 16Prozent zu und verzeichnete damit den höchsten Tagesgewinn des Jahrtausends. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt gar vom höchsten Kursanstieg seit dem Jahr 1989.

Doch abseits der Freudensprünge an der Börse kämpfen beide Unternehmen, Opel wie Peugeot, mit erheblichen Schwierigkeiten. Der französische Autokonzern musste im abgelaufenen Geschäftsjahr schwere Gewinneinbußen hinnehmen. Der Überschuss brach um fast die Hälfte auf 588 Mio. Euro ein. Höhere Beschaffungskosten, aber auch der Preisdruck machten dem Unternehmen im Vorjahr schwer zu schaffen. Die Folge: Der Konzern will künftig die Kosten noch weiter senken und sich auch von Vermögenswerten trennen.

Auch Opel, das 2012 wieder nachhaltig Gewinne schreiben wollte, dürfte von schwarzen Zahlen noch weit entfernt sein. Unter dem Strich fuhr die GM-Europa-Tochter (Opel und Vauxhall) im abgelaufenen Jahr einen operativen Verlust von mehr als 700 Mio. Dollar ein.

Keine Lust auf Neuwagen

Das große Problem beider Hersteller ist ihr Hauptabsatzgebiet: Europa. Peugeot verkaufte dort im vergangenen Jahr zwar mehr als zwei Millionen Fahrzeuge. Das ist erstens ein Rückgang von rund sechs Prozent gegenüber 2010. Und zweitens ist der Konzern nur bedingt global aufgestellt. Fahrzeuge von Peugeot gibt es zwar auch in Russland, Lateinamerika oder China. Die abgesetzten Stückzahlen sind dort jedoch deutlich geringer. Diese Staaten können einen Nachfragerückgang im Hauptabsatzgebiet daher nur bedingt ausgleichen.

Opel wiederum ist mit der Tatsache konfrontiert, seine Fahrzeuge nur innerhalb Europas absetzen zu dürfen. Denn General Motors will seine eigenen Konzernmarken auf fremden Märkten wie China nicht in Konkurrenz zueinander antreten lassen. In Europa ist die Nachfrage nach Neuwagen aber gesunken. Nicht zuletzt den Konsumenten aus den hoch verschuldeten Staaten ist die Lust auf den Kauf eines Autos vergangen.

Allein im Jänner reduzierte sich die Zahl neu zugelassener Fahrzeuge in der EU um sieben Prozent. Für das Gesamtjahr geht Peugeot-Chef Philippe Varin von einem Nachfragerückgang um fünf Prozent aus. Peugeot und Opel produzieren vor allem Fahrzeuge im Klein- und Mittelklassebereich. Die Margen sind hier geringer. Hersteller wie Volkswagen oder Daimler haben es leichter, weil sie auch Wagen im margenstarken und weniger preissensiblen Luxussegment verkaufen.

Auf einen Blick

Peugeot Citroën denkt laut über Kooperationen mit anderen Autoherstellern nach. Als potenzieller Partner wurde zuletzt General Motors ins Spiel gebracht. Beide Unternehmen kämpfen derzeit mit erheblichen Absatzschwierigkeiten in Europa. Die GM-Tochter Opel schrieb im Vorjahr Verluste, auch die Franzosen litten 2011 unter herben Gewinneinbußen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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Bild: (c) REUTERS (BENOIT TESSIER)