Quelle zahlte noch heuer Prämien aus
06.11.2009 | 14:29 | (DiePresse.com)
Die Quelle-Mitarbeiter traf die Konkursnachricht wie ein Schlag. Viele können das Ende noch nicht begreifen - denn die Quelle Österreich zahlte noch heuer Prämien aus und schrieb Gewinne.
Für die Kummer gewohnten rund 1.100 Mitarbeiter der Quelle Österreich AG war es ein schwarzer Freitag: Von "Katastrophe" war nach der Betriebsversammlung zu Mittag in Linz die Rede. Vor allem jene, die seit 30, 40 Jahren im Unternehmen tätig sind, habe die Nachricht vom bevorstehenden Quelle-Aus mit aller Härte getroffen, sagte ein Mitarbeiter in Richtung eines älteren Kollegen. Die Solidarität untereinander ist deutlich spürbar: "Für mich ist es nicht mehr so schlimm, ich geh bald in Pension. Aber die jungen Mütter und Väter, die trifft es wie ein Schlag", meint eine Büroangestellte der Betriebsküche, die seit 21 Jahren dabei ist.
"Wie soll es mir schon gehen?"
Eine 28-jährige Angestellte, die seit fünf Jahren im Bereich Verteilung des Unternehmens tätig ist, äußerte sich nur knapp. "Es ist ein komisches Gefühl. Die Unsicherheit belastet mich sehr", sagte sie mit Blick auf den Boden. Ähnlich geht es einem 30-Jährigen Mitarbeiter, der seit 17 Jahren im Call-Center tätig ist: "Wie soll es mir schon gehen ? - schlecht !", sagte er.
Die Kommentare nach der Betriebsversammlung reichten von wütend bis verstört: Ein Mann, der seit 37 Jahren im Unternehmen beschäftigt ist, ärgerte sich vor allem über die Manager: "Die sind doch nur auf ihren eigenen Profit aus, außerdem haben sie die Situation völlig falsch eingeschätzt," sagte er.
Noch heuer Prämien bekommen
Eine etwa 50-jährige Frau meinte kopfschüttelnd: "Ich versteh es einfach nicht, wir haben doch noch heuer Prämien ausbezahlt bekommen und Gewinne geschrieben, wie passt denn das zusammen", fragte sie ratlos, um sich gleich selbst die Antwort zu geben: "Dass eine gut gehende Firma von den Managern in Deutschland so heruntergewirtschaftet wird und die dafür auch noch viel Geld kassieren, ist eine Katastrophe. Außer uns hängen ja auch noch andere dran: die Post und diverse andere Betriebe.
Einige haben noch Hoffnung
Doch trotz der schlechten Aussichten haben viele die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. "Wenn ich nicht zumindest an eine kleine Chance glauben würde, wär ich gar nicht mehr hier", sagte ein etwa 40-Jähriger mit ernster Miene. Neben ihm klopften sich zwei Frauen aufmunternd auf die Schultern. Sagen wollten sie nichts, aber der Ausdruck in ihren Gesichern, sagte ohnehin mehr als tausend Worte.
(APA)
