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Wirtschaft » National

Zeitarbeit: Als Erster gehen, als Erster wieder anfangen?

14.07.2009 | 18:16 | (Die Presse)

Bild: (c) AP (Fabian Bimmer)

Die Krise erwischt die Branche überproportional stark. Langfristig zeigt sich die Branche zuversichtlich: Man habe als Erster die Krise gespürt, und man werde auch als Erster vom Aufschwung profitieren, so der Tenor.

Wien (mar). Während einer konjunkturellen Talfahrt sind Leiharbeiter die ersten, die entlassen werden. Sie müssen deutlich flexibler und mobiler sein als „normale“ Arbeitnehmer, werden aber nicht durch dieselben Rechte geschützt und gerade deshalb geholt. Das wiederum ist auch ein Grund dafür, dass die Beschäftigung in diesem Sektor schneller steigen kann als anderswo. Die Lage der Branche ist damit eine Art Frühindikator für die Trends auf dem Arbeitsmarkt.

Einbruch von einem Drittel

Diese Lage sieht derzeit noch düsterer aus als die allgemeine Situation, wie das Marktforschungsinstitut Interconnection Consulting in seiner Analyse feststellt. Ist der Sektor in Österreich 2008 noch um 3,7 Prozent auf rund 68.000 Beschäftigte angewachsen, so wird diese Zahl bis 2010 auf 46.000 Beschäftigte zurückgehen. Ein Rückgang von rund einem Drittel.

Überproportional stark von den Kündigungen betroffen seien gering Qualifizierte und Hilfsarbeiter, sagt Frederik Lehner von Interconnection. Auch Irmgard Prosinger kann diesen Trend bestätigen. Sie arbeitet für Österreichs größte Zeitarbeitsfirma, Trenkwalder, die auch in mehreren osteuropäischen Ländern Marktführer ist. Prosinger weist zugleich auch darauf hin, dass qualifizierte Fachkräfte weiterhin gesucht werden: Bei Trenkwalder zum Beispiel fehlten derzeit rund 150 Buchhalter. Auch andere führende Vertreter der Branche berichten, dass im Juli „ein leichtes Lüfterl“ spürbar ist: Saisonal bedingt sei bei den Aufträgen gegenüber dem Vormonat ein Plus von zehn Prozent festzustellen.

Langfristig zeigt sich die Branche zuversichtlich: Man habe als Erster die Krise gespürt, und man werde auch als Erster vom Aufschwung profitieren, so der Tenor bei der Präsentation der Studie am Dienstag in Wien. In Österreich beträgt der Anteil der Zeitarbeiter an der Gesamtzahl der unselbstständig Beschäftigten derzeit 1,9 Prozent und damit etwas weniger als der EU-Schnitt von 2,4 Prozent. Bis 2012 erwarten Marktforscher einen Anstieg auf 70.000 Personen.

Künftig Anteil von fünf Prozent

Peter Lisowski von der Firma Powerserv Austria erklärt das damit, dass Zeitarbeit den Unternehmen helfe, die regulären Arbeitsplätze abzusichern. Für die Arbeitnehmer sei es wiederum häufig ein Sprungbrett in ein dauerhaftes Dienstverhältnis. Irmgard Prosinger belegt das mit dem Beispiel eines guten Finanzbuchhalters, der im Schnitt drei Monate bei der Leihfirma bleibe und dann übernommen werde. Trotzdem dürfte ein so schneller Wechsel eine Ausnahme bleiben.

Lehner zufolge beträgt die Zeitarbeiterquote an den Beschäftigten in Großbritannien oder den Niederlanden rund zehn Prozent. Lehner erklärt das mit einer „Kündigungskultur“, die es hierzulande bisher nicht gebe. Er rechnet daher für Österreich langfristig mit einer Quote von vier bis fünf Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)

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Bild: (c) AP (Fabian Bimmer)