Siemens-Chefin Ederer: Auch über Lohnverzicht reden
16.03.2009 | 18:48 | (Die Presse)
Im Industriebereich überlegt Siemens die Einführung von Kurzarbeit. Allgemein sei die Wirtschaftssituation problematisch, im Elektronikbereich sei sie aber extrem schwierig.
Wien (rie). Es ist mehr oder weniger eine Mahnung an die Genossen. Siemens-Österreich-Generaldirektorin Brigitte Ederer, vor vielen Jahren Geschäftsführerin der SPÖ, fordert von der Gewerkschaft ein „extremes Augenmaß“ bei der Verhandlung der Kollektivverträge. Allgemein sei die Wirtschaftssituation problematisch, im Elektronikbereich sei sie aber „extrem schwierig“. Man müsse alles überlegen und alles diskutieren, „auch Minus-Kollektivverträge“ – sprich: Lohnverzicht.
Sie wolle den Kollektivvertragsverhandlungen in der Elektronikbranche nicht vorgreifen, erklärte Ederer am Montag im Klub der Wirtschaftsjournalisten. Sie hoffe aber, dass die Abschlüsse „extrem verantwortungsbewusst sind“. Sie müsse keinem Betriebsrat die Situation erklären, die erlebe er jeden Tag in den Firmen mit. Gerade die Elektro- und Elektronikindustrie stehe vor großen Herausforderungen, und darauf müsse man Rücksicht nehmen.
500 Mitarbeiter abgebaut
Siemens Österreich selbst überlegt die Einführung von Kurzarbeit in manchen Bereichen, in erster Linie bei der Elektronikfertigung (SIMEA). Betroffen wären das Werk in Wien und eines in Rumänien, zusammen 600 Mitarbeiter. Ederer erklärte aber, dass weder entschieden sei, wie viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, noch, ob sie überhaupt notwendig ist. „Es gibt noch keine echten Vorschläge“, betonte Ederer. Generell meinte sie, Kurzarbeit mache Sinn, wenn es um das Durchtauchen konjunktureller Probleme gehe, nicht aber, wenn es um strukturelle geht.
Personelle Einsparungsmaßnahmen bei Siemens seien weitgehend abgeschlossen. Im Zuge eines Kostensenkungsprogramms hat Siemens seit dem Vorjahr etwa 500 Mitarbeiter abgebaut. Einen weiteren Personalabbau gab es bei den Leiharbeitern: 300 bis 400 Personen aus der eigenen Leiharbeiterfirma wurden entlassen.
Die Situation von Siemens Österreich bezeichnete Ederer als gut. Die drei Sektoren Energie, Gesundheit und Industrie seien von der Krise unterschiedlich betroffen. Im Bereich Gesundheit gebe es beispielsweise keine Einbrüche, hier dürfte man den Umsatz des Vorjahres halten. Auch den Bereich Energie bezeichnete die Generaldirektorin als „gut aufgestellt“, man werde den Plan einhalten können.
Innovation fördern
„Wo es uns trifft, das ist die Industrie“, erklärte Ederer. Gerade in der Stahl- und Automobilindustrie müsse man „erhebliche Reduktionen zur Kenntnis nehmen“.
In Zentral- und Osteuropa geht Ederer weiterhin von einem Wachstum aus, „aber eben auf niedrigem Niveau“. Dramatisch sei die Situation in der Ukraine. Noch vor einem Jahr hätte sie das Land als Wachstumsmarkt gesehen, auf das man sich konzentrieren müsse. Jetzt sei es völlig weggebrochen.
Bei den staatlichen Konjunkturprogrammen wünscht sich die Siemens-Chefin eine Koppelung an Innovationsbereiche. Man sollte mit der Unterstützung die Entwicklung vorantreiben, beispielsweise mit einer Schrottprämie den Kauf von Hybridautos.
| Auf einen Blick |
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■Die Siemens AG Österreichmachte im Vorjahr einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro und beschäftigte etwas mehr als 8000 Mitarbeiter. Die Siemens Gruppe Österreich, zu der auch die VAI gehört und osteuropäische Firmen, setzte im vergangenen Geschäftsjahr 7,6 Milliarden Euro um. Ihr gehörten mit Stand September 30.464 Mitarbeiter an. |
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2009)
