Österreich geht nach Ansicht von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) besser mit der Wirtschaftskrise um als Deutschland. "Österreich hat sehr schnell mit den Maßnahmen und einem Konjunkturpaket gegengesteuert", sagte er vor seinem am Montag beginnenden Antrittsbesuch in Wien. "Die schlimmsten Folgen der Finanzkrise sind damit abgefedert worden. Das ist bei uns noch nicht der Fall."
Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP hatten im vergangenen November ein rund zwei Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket beschlossen und außerdem vereinbart, eine für 2010 geplante Steuerreform vorzuziehen.
Zeil wolle sich mit seinem österreichischen Amtskollegen Mitterlehner über die Maßnahmen austauschen. "Gerade jetzt wollen wir mit Österreich noch stärker zusammenarbeiten", sagte Zeil. "Vielleicht können wir ja von Österreich etwas lernen oder die Österreicher von uns." Österreich sei schließlich, ebenso wie Bayern, stark vom Export abhängig.
Die österreichische Wirtschaft sei auch aus strukturellen Gründen weniger von der Wirtschaftskrise betroffen. Das Land sei sehr mittelständisch geprägt. Die Krise der Automobilindustrie gehe an dem Land noch weitgehend vorbei.
Der Wirtschaftsminister lobte auch das österreichische Modell, staatliche Hilfen für Banken an die Verpflichtung der Kreditinstitute zu knüpfen, weiter Darlehen an Unternehmen zu vergeben. Österreich stehe auf Platz eins der wichtigsten bayerischen Wirtschaftspartner, betonte Bayerns Wirtschaftsminister. Fast elf Prozent der bayerischen Importe kamen aus dem Nachbarland.
Insgesamt 5.000 bayerische Unternehmen unterhielten Geschäftsbeziehungen mit Österreich oder seien sogar mit Niederlassungen dort vertreten - beispielsweise auch die Bayerische Landesbank. Die österreichische BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria musste in der Finanzkrise mit 900 Millionen Euro vom österreichischen Staat unterstützt werden.