Jobabbau bei AT&S: Androsch will "Schlimmeres verhindern"
13.11.2008 | 12:11 | (DiePresse.com)
Bis zu 350 Kündigungen stehen an. "Wenn keine Autos mehr gekauft werden, können wir keine Leiterplatten zuliefern", sagt AT&S-Aufsichtsrats-
Erst am Dienstag hatte Hannes Androsch, Vorsitzender des Aufsichtsrates bei Leiterplatten-Hersteller AT&S, über den "Trümmerhaufen" bei AUA, Post und Telekom geklagt. Nun bestätigt Androsch, dass auch bei AT&S eine Kündigungswelle bevorsteht. Der Industriestandort Europa und Österreich sei global in einigen Bereichen nicht mehr wettbewerbsfähig, so Androsch.
Etwa 350 Mitarbeiter betroffen
Die aktuelle Krise der Automobilbranche hätte das Übrige zur Situation beigetragen, sagte Androsch im Ö1-Morgenjournal. "Wenn keine Autos mehr gekauft werden und keine produziert werden, können wir keine Leiterplatten zuliefern und müssen handeln, sonst gefährden wir noch mehr Beschäftigung. Das ist notwendig geworden, um Schlimmeres zu verhindern", so Androsch.
War gestern noch kolportiert worden, dass bis zu 600 Mitarbeiter gehen müssen, sind nun laut AT&S-Betriebsrat 150 Leih- und 200 Stammarbeiter betroffen. Das bestätigt Androsch: "Es gibt keine Beschlüsse, und ich will diesen nicht vorgreifen, aber das ist in dieser Größenordnung sicherlich nicht ausgeschlossen."
Mit Kunden würden momentan Gespräche geführt, um zu ermitteln, wie viele Mitarbeiter freigestellt werden müssen, sagte Pressesprecher Hans Lang am Donnerstag. Laut Zentralbetriebsratvorsitzendem Wolfgang Fleck wolle man die Zahlen aber zuerst den Mitarbeitern bis spätestens Dienstag mitteilen.
"Wir haben noch keine finalen Zahlen, und daher will ich auch keine weiteren Hausnummern ins Spiel bringen", so Lang. Hinterberg bleibe aber in jedem Fall als "Technologieführer" bestehen. Er bestätigte, dass hauptsächlich die Mitarbeiter der reinen Produktion betroffen sein werden. Sie machen mit rund 800 den Großteil der Belegschaft in Leoben aus.
"Mitarbeiter sollten es als erstes erfahren"
Zentralbetriebsratsvorsitzender Fleck zeigte sich verärgert und "enttäuscht" darüber, dass der Leobener SP-Bürgermeister Matthias Konrad am Mittwoch noch vor der Betriebsgruppenversammlung mit der schlechten Nachricht an die Öffentlichkeit getreten war. "Die Mitarbeiter sollten es eigentlich als erstes erfahren", so Fleck.
"Schmerzlich" würden die Kündigungen in jedem Fall werden. Für ihn mache es keinen Unterschied, ob es sich um Leih- oder Stammarbeiter handle. Insgesamt sind im Leobener Werk rund 150 geliehene Arbeiter tätig - sie dürften zu den ersten zählen, die gehen müssen. Nicht zur Debatte stehe der Betrieb im zweiten steirischen Werk in Fehring mit rund 400 Mitarbeitern. Das Werk habe sich gut spezialisiert, so der Betriebsbrat. Trotzdem dürfte es nicht verschont bleiben, denn es produziere hauptsächlich für die Automobilindustrie, warnte Fleck.
Dramatische Lage binnen eineinhalb Wochen
Vom AMS Steiermark hieß es, dass noch keine geplanten Kündigungen von AT&S bekanntgegeben wurden. Erst vergangene Woche habe das Arbeitsmarktservice von sich aus bei diversen Unternehmen in der Steiermark angefragt, ob Kurzarbeit oder Kündigungen anstehen. AT&S habe darauf gesagt, dass sie "keine Kurzarbeit brauchen", so Gössinger. Auch Kündigungen seien damals nicht angeklungen.
Fleck erklärte dies damit, dass innerhalb von nur eineinhalb Wochen Kunden ihre Auftragszahlen wesentlich revidiert hätten, weshalb es so rasch zu der dramatischen Lage kommen sei. Kurzarbeit wie bei Magna Steyr in Graz sei bei AT&S deswegen kein Thema, weil man dabei davon ausgehen müsse, dass es in etwa einem halben Jahr wieder besser werde. "Aber wir können mit Asien nicht mithalten. Wir haben keine Aufträge mit großen Volumina mehr", erklärte Fleck.
(Red.)
