AUA-Verkauf: Staat statt privat?
22.10.2008 | 18:25 | (Die Presse)
Der Wirtschaftskrimi um die Partnersuche für die angeschlagene Fluglinie geht ins Finale – die Regierung stellt Hilfe in Aussicht, falls die Verhandlungen mit der Lufthansa platzen.
Wien (eid). Die Börse hat immer recht. Wenn das so ist, dann ist der AUA-Verkauf tatsächlich geplatzt. Nachdem Dienstagabend bekannt wurde, dass nur die Lufthansa ein an Bedingungen geknüpftes Angebot gelegt hat, während Air France/KLM und S7 abgewunken haben, stürzte die AUA-Aktie Mittwochvormittag gleich zu Handelsbeginn massiv ab. Nach einem jähen Wertverlust um 38 Prozent pendelte sich der Verlust am Nachmittag auf knapp 30 Prozent (2,85 Euro) ein. Damit hat die AUA an der Börse innerhalb eines Tages 120 Mio. Euro an Wert verloren.
Noch ist aber nicht alles vorbei – die ÖIAG ließ am Mittwoch wissen, dass der Privatisierungsprozess nach wie vor im Gang sei, der Zeitplan aufrecht. Demnach muss die Lufthansa bis Freitagabend einen Kaufpreis bekannt geben. Übers Wochenende wird verhandelt, der Privatisierungsausschuss der ÖIAG prüft schon am Sonntag das Offert, um dann am Montag vor dem ÖIAG-Aufsichtsrat eine Entscheidung zu treffen.
Ob der Deal nun tatsächlich zustande kommt, hängt von zwei Punkten ab: dem Kaufpreis und einem möglichen Nachlass der AUA-Schulden in Höhe von 900 Mio. Euro, den die Lufthansa dem Vernehmen nach fordern soll. Beim Kaufpreis dürfte sich die Regierung und die ÖIAG von ihren Wünschen nach fünf Euro und mehr je Aktie verabschiedet haben. SPÖ-Chef und Nochinfrastrukturminister Werner Faymann sagte am Mittwoch nach dem Ministerrat, dass es um eine Gesamtbeurteilung des Angebots gehe. Dabei spielten österreichische Interessen und der Wirtschaftsstandort eine ebenso wesentliche Rolle. Was einen zumindest teilweisen Schuldennachlass betrifft, soll die ÖIAG inzwischen zu einem Kompromiss bereit sein, heißt es.
Dieser Kompromiss könnte so aussehen: Die Lufthansa schluckt die AUA mit einem Teil der Schulden, sie zahlt jedoch einen geringen Preis oder sogar nur den symbolischen Euro, der zuletzt in Luftfahrtkreisen kursierte. Sie muss aber der ÖIAG und den anderen Aktionären denselben Preis bieten.
„Am Montag wissen wir mehr, jetzt ist die ÖIAG am Zug“, verwies Faymann darauf, dass die Regierung der Staatsholding nicht vorgreifen werde. Er bestätigte, dass es ein Angebot gebe, dass es aber noch nicht „abgeschlossen“ sei. Ob es von der Lufthansa sei, sagte Faymann nicht. Es könne auch noch nichts über das Preisangebot gesagt werden.
Neuer Privatisierungsauftrag
Nach der ÖIAG-Sitzung werde die Bundesregierung prüfen, ob der Privatisierungsauftrag erfüllt worden sei. Dieser laufe bis Dienstag, den 28. Oktober. Sollte dies nicht der Fall sein, dann gebe es mehrere Möglichkeiten: „nachverhandeln“, oder „neu verhandeln“. Unter diesen neuen Voraussetzungen werde es sinnvoll sein, den Privatisierungsauftrag zu verlängern.
Jetzt schon von einem „Plan B“ der Regierung zu sprechen – also einer Alternative zum Verkauf – das bezeichnete Faymann als „nicht in Ordnung“. Ob die AUA staatliche Hilfe braucht, werde man am Dienstag wissen. Am Rande des Ministerratsfoyers bestätigte er jedoch, dass die Republik im Fall eines Scheiterns des Verkaufs der AUA ihre Verantwortung wahrnehmen müsse. „Dass das nicht ohne viel Geld gehen wird, ist klar.“ Über Summen wollte Faymann nicht sprechen. Zuletzt war in ÖIAG-Kreisen von einer Geldspritze in Höhe von 400 bis 500 Mio. Euro die Rede.
Ganz aus dem Rennen um die AUA sehen sich Air France/KLM und die russische S7 aber nicht. Während die Russen ein Angebot in Aussicht stellen, aber nur, wenn ihnen dafür mehr Zeit gegeben wird, hieß es bei den Franzosen, man sei weiterhin an Gesprächen interessiert. In Paris wird überdies spekuliert, ob die Lufthansa nicht vor allem deshalb ein Offert abgegeben habe, um dem Konkurrenten Air France/KLM nicht die AUA zu überlassen.
Heftige Kritik der Opposition
Die Oppositionsparteien sind angesichts des Chaos bei der AUA-Privatisierung mit heftiger Kritik aufgefahren. Die FPÖ will einen sofortigen Verkaufsstopp und warnt vor einer Verscherbelung der AUA. Das BZÖ fordert, dass bei einem AUA-Gipfel die Lage neu bewertet wird. Und die Grünen verlangen den Rücktritt der Spitzen von AUA und ÖIAG, sie fürchten, dass jetzt der Steuerzahler zum Handkuss kommt. Schon vor Jahren hätten die Spatzen vom Dach gepfiffen, dass eine Stand-alone-Lösung wirtschaftlich und budgetär nicht haltbar sei.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2008)
