Zinssenkung in Island als Mittel gegen Kollaps
17.10.2008 | 06:01 | (APA)
Die isländische Notenbank stemmt sich mit Macht gegen den drohenden Wirtschaftskollaps. Die Währungshüter senkten den Leitzins am Mittwoch um 3,5 Prozentpunkte auf zwölf Prozent und warnten, dem Inselstaat drohten wegen der Finanzkrise schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Bisher hatte die Zentralbank vergeblich versucht, mit hohen Zinsen die Inflation einzudämmen.
Island und Russland haben unterdessen ihre Gespräche über einen dringend benötigten Milliardenkredit für den isländischen Staat vertagt. Die Gespräche in Moskau würden nach zwei Tagen ohne konkrete Ergebnisse aber zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden, erklärten beide Seiten am Mittwoch. Island hat zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF) um finanzielle Unterstützung gebeten, um einen Staatsbankrott abzuwenden.
Seine größten Banken hat das Land bereits verstaatlicht: Kaupthing, Landsbanki und Glitnir waren unter der Last der Finanzkrise zusammengebrochen, weil sie bei einer rasanten Auslandsexpansion riesige Schulden angehäuft hatten und sich damit übernahmen.
Die isländische Notenbank musste sich gegen die Kritik verteidigen, nicht genug zur Abwendung der Krise getan zu haben. Islands Ministerpräsident Geir Haarde stellte sich jedoch hinter den umstrittenen Chef der Zentralbank, David Oddsson. "Ich habe volles Vertrauen in ihn", sagte er am Dienstag. "Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Dies ist die Zeit, Lösungen zu finden."
(APA)
