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2009 droht bei Firmen eine Pleitewelle

25.09.2008 | 18:28 | HEDI SCHNEID (Die Presse)

Wirtschaftsflaute, hohe Zinsen und strenge Kreditvergabe treffen auch Private.

Wien. Es ist wie das Kartenhaus: Zuerst erwischte es die Hypothekenfinanzierer, dann die Investmentbanken und große Versicherungen, und jetzt hat die Finanzkrise in den USA die Wirtschaft weltweit in einen Abwärtsstrudel gezogen. Auch Österreichs Wirtschaft, die bis Jahresmitte recht gut lief, ist betroffen. Ein wichtiger Indikator dafür: die Insolvenzstatistik, die die Wirtschaftsentwicklung mit einer Verzögerung von sechs bis zwölf Monaten abbildet. „Ich rechne heuer mit einer Stagnation bzw. einem minimalen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen – 2009 wird die Zahl der Firmenpleiten aber erstmals seit vier Jahren wieder steigen“, sagt der Insolvenzexperte des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, der „Presse“. Damit ist die seit 2005 anhaltende Entspannung auf der Pleitefront zu Ende.

Kantner nimmt das Wort „Pleitewelle“ nur ungern in den Mund – „was ist schon eine Welle“ –, aber er geht davon aus, dass 2009 mehr Firmen zahlungsunfähig werden und auch größere Unternehmen betroffen sein werden. „Das heißt wieder mehr betroffene Dienstnehmer und höhere Passiva.“

 

„Spirale der Illiquidität“

Als Grund für die Trendwende nennt Kantner nicht nur die schwache Konjunktur. Die Zinsen dürften auf hohem Niveau stagnieren, und die Banken verschärfen ihre Kreditpolitik. „Verknappen die Banken das Geld mehr als die Wirtschaft verkraftet, dann führt das zu einer Spirale der Illiquidität“, so Kantner.

 

 

Die ersten Gewitterwolken zeichnen sich schon im Tourismus (nachlassende Nachfrage aus dem Ausland) und im Maschinenbau ab. Kantner rechnet damit, dass sich 2009 auch der Export abschwächen wird. Als Beispiel für diesen Trend nennt er die Steiermark. Aufgrund der stark von maschineller Fertigung geprägten Wirtschaftsstruktur sind dort die Firmenpleiten bis September mit 22 Prozent am stärksten von allen Bundesländern gestiegen. Insgesamt ging die Zahl der Firmenpleiten in den ersten drei Quartalen um 1,6 Prozent auf 4725 zurück. Der von den Firmen hinterlassene Schuldenberg stagnierte bei 1,8 Mrd. Euro, die Zahl der betroffenen Dienstnehmer stieg jedoch um 10,9 Prozent auf 15.300. Das vierte Quartal ist erfahrungsgemäß ein starkes Pleitenquartal, heißt es beim KSV.

Während mehr Unternehmensinsolvenzen die Alarmglocken läuten lassen (weil viele Arbeitsplätze verloren gehen, gewinnen Gläubigerschützer der steigenden Zahl an Privatkonkursen auch positive Effekte ab. Nur wer ein geregeltes Einkommen hat, kann den Schuldenabbau über einen Privatkonkurs schaffen. Die von Jahr zu Jahr steigende Zahl an Privatpleiten – in den ersten drei Quartalen 2008 gab es ein Plus von 17,6 Prozent auf 6469 eröffnete Verfahren – signalisiert daher laut KSV, dass die robuste Konjunktur viele Schuldentilgungsverfahren ermöglichte.

 

Heuer 8550 Privatpleiten

Für 2008 rechnet der KSV mit 8550 Privatpleiten. In fünf Jahren könnten es laut Kantner 15.000 sein, zumal das Justizministerium eine Gesetzesnovelle plant, die den Zugang zum Privatkonkurs erleichtert. Sollte allerdings die Wirtschaft nicht mehr wachsen bzw. schrumpfen – und die Zahl der Arbeitslosen steigen –, könnte sich die Kurve bei den Privatkonkursen abflachen. Was nicht heißt, dass die Zahl der Pleitiers sinkt. Im Gegenteil: Der KSV und die Schuldnerberatungen gehen davon aus, dass es in Österreich gut 100.000 Personen gibt, die ihre Rechnungen nicht zahlen können – Tendenz steigend. Dies sei alarmierend, zumal Menschen nicht nur durch Jobverlust, Krankheit oder Scheidung in Schwierigkeiten kämen. Das „Leben auf Pump“ sei durchaus selbstverständlich geworden.

„Die hohe Inflation strapaziert das Haushaltsbudget noch mehr – wer schon verschuldet ist, dem bringt eine Gehaltserhöhung kaum Entspannung“, meint Kantner. Durchschnittlich hat ein Privater 50.000 Euro Schulden. Bei ehemaligen Unternehmern, die den Privatkonkurs nützen, um sich ihrer Schulden zu entledigen, sind es 250.000 Euro.


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