Arbeitsmarkt: „Unzufriedene Beschäftigte im Tourismus“
07.08.2008 | 18:30 | (Die Presse)
Die Gewerkschaft klagt über geringe Einkommen und wenig Karrierechancen. Zur Untermauerung der gefühlten Unzufriedenheit legte die Arbeiterkammer Wien Zahlen vor.
Wien (b.l.). Einen Tag, nachdem die heimische Tourismusbranche einen eher durchwachsenen Ausblick gegeben hatte (jeder dritte Betrieb fürchtet Umsatzeinbußen im heurigen Sommer), meldete sich auch die Gewerkschaft zu Wort: „Das gehört offenbar dazu, dass man jammert. Aber die Branche eilt von einem Erfolg zum anderen“, sagte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Vida. Und fing daraufhin selbst an zu jammern– wegen der geringen Zufriedenheit der Beschäftigten im Tourismus. Dies hat nämlich eine Umfrage der Arbeiterkammer Oberösterreich ergeben.
Die Mitarbeiter in Tourismusunternehmen schätzen demnach vor allem ihre Karrierechancen geringer ein als Kollegen in anderen Branchen. Auch mit ihrem Einkommen und ihrem gesellschaftlichen Ansehen sind sie unzufrieden. Positiver als andere sehen sie dagegen ihre Arbeitsmarktchancen. „Du wirst zwar nichts, aber du hast einen Job“, interpretiert Kaske das Image von Tourismusberufen.
Ein Drittel weniger Einkommen
Zur Untermauerung der gefühlten Unzufriedenheit legte die Arbeiterkammer Wien Zahlen vor: Demnach verdienen Arbeitnehmer im Tourismus im Schnitt 1484 Euro brutto im Monat. Das liegt deutlich unter dem Schnitt aller Beschäftigten in Österreich (2220 Euro, inklusive 13. und 14. Gehalt). Dieser Vergleich berücksichtigt allerdings nicht, dass es im Tourismus mehr Teilzeitbeschäftigte als in anderen Branchen gibt (27 statt 22 Prozent), die den Durchschnittslohn senken. Auch werden Trinkgelder, die ein wesentlicher Einkommensbestandteil im Tourismus sind, nicht berücksichtigt. Auch klagte man über die starke Fluktuation im Tourismus: Nur ein Drittel der derzeit 190.000 Angestellten ist ganzjährig beschäftigt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2008)
