Randerscheinung: Das Fleisch ist schwach
08.10.2009 | 19:13 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)
Was der Mensch während seines Lebens nicht so alles tut. Zum Beispiel auch: 1094 Tiere essen. Vier ganze Kühe beziehungsweise Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, auch 46 Schweine und 945 Hühner. Diese Zahlen wurden von einer Vegetarierorganisation für die Deutschen erhoben, in Österreich wird das nicht viel anders sein, nehme ich an. Vier Kühe kommen mir allerdings gar nicht viel vor, dafür 46 Schweine eine ganze Menge. (Wobei Obelix dafür kaum einen Monat brauchen würde, der ist allerdings Franzose.) Würde es eigentlich einen Vegetarier schrecken, wenn man ihm vorrechnete, wie viele Karottenfelder und Apfelbäume er in seinem Leben schon kahl gefressen hat? Eben.
Während der wahre Vegetarier meist einen ideologischen Über- oder zumindest Unterbau bemüht, um seine Fleischverweigerung zu begründen, gehöre ich zu jener Sorte von De-facto-Vegetariern, die diese Sache aus dem Bauch heraus (wie sonst eigentlich?) angehen: Mir graust vor Fleisch! Je älter ich werde, desto mehr. Je heller und je stärker es zerkleinert ist, desto weniger. Das führt zu der paradoxen Situation, dass ich eine Beamten-Forelle (Fisch esse ich ja), die nachweislich nur tierischen Abfall enthält, eher zu mir nehmen würde als ein sündteures, noch blutendes Steak vom südsteirischen Alm-Bison.
Auch die Söhne verhalten sich, was den Verzehr von Tieren angeht, eigenartig. Der ältere, der mit Tieren nicht viel am Hut hat, verweigert Fleisch grundsätzlich, spätestens seit ich ihm vor Jahren beim Merkur eine Styroportasse mit eingeschweißtem Schweinerüssel unter die Nase gehalten habe. Der jüngere dagegen, der mit seiner Tierliebe Franz von Assisi alt aussehen lässt, hat in seinen acht Lebensjahren schon mehr als vier Kälber verdrückt. Bleibt noch eine Frage: Isst man Fleisch oder Fisch, wenn man Wal isst?