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26.05.2012 23:55

Randerscheinung: Telefon hatten wir schon

01.10.2009 | 21:09 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Ich hätte ja eigentlich gern wieder einmal etwas über meine Kinder geschrieben, aber dazu müsste ich sie vorher sehen. In der Früh streifen wir uns kurz beim Frühstück, um nacheinander im Bad zu verschwinden. Auf dem Weg zur Schule sprechen wir eher wenig, also genauer gesagt sie, ich plaudere aufgekratzt vor mich hin, allerdings fallen die Antworten aus dem Fonds bzw. dem Sitz neben mir mit „Hm“, „Hä?“ und „Mm“ eher ja – einsilbig aus. Komme ich abends nach Hause, verbrauchen sie gerade ihre Bildschirmration. Und nach dem Abendessen geht der Kleinere ins Bett und der Größere verschwindet in sein Zimmer, um dort etwas zu tun, was mich jedenfalls überhaupt nichts angeht.

Am Wochenende immerhin gibt es noch einen verlässlichen kleinsten gemeinsamen Nenner: Starbucks (Java Chip Chocolate Cream). Tja.
Wenn wir aber einmal reden, höre ich mich seit Kurzem die unglaublichsten Sachen sagen. Also, der Ältere schielt gerade alle drei Sekunden auf sein Handy, um nach dem neuesten SMS zu schauen, ich frage ihn, ob er sein Mobiltelefon nicht vielleicht einmal kurz wegtun kann (und bemerke dabei, wie meines gerade in meiner Hand piepst, was dem Appell einiges an Kraft nimmt). Dabei kann ich es aber nicht belassen, sondern ich schiebe noch etwas Unfassbares nach: „Weißt du eigentlich, dass es, als ich so alt wie du war, noch gar keine Handys gegeben hat?“ „Ein Albtraum. Und wie hat man sich da verständigt?“ „Na, man hat sich in der Schule gesehen und für danach verabredet. Oder kurz telefoniert.“ „Ich dachte, es gab noch kein Handy.“ „Also ein Telefon hatten wir schon.“ „Aha“, sagt er zerstreut, es muss wohl gerade ein neues SMS gekommen sein. Komisch, mir schreibt schon seit Stunden niemand. Na dann plaudern wir halt weiter: „Stell dir vor, Internet gab es auch noch keines . .. “

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