DiePresse.com Ressorts ausblenden Ressorts anzeigen Galerien Videos
  • Politik
    • Innenpolitik
    • Außenpolitik
    • Europa
    • Zeitgeschichte
  • Wirtschaft
    • Österreich
    • International
    • Finanzen
    • Bilanzen
  • Panorama
    • Wien
    • Österreich
    • Welt
  • Kultur
    • Bühne
    • Kunst
    • Medien
    • Film
    • Klassik
    • Pop & Co
    • Literatur
  • Tech
    • Hightech
    • Internet
    • Handy
  • Sport
    • Motorsport
    • Mehr Sport
    • Fußball
  • Leben
    • Menschen
    • Lebensstil
    • Essen & Trinken
    • Reise
    • Kreativ
    • Motor
    • Wohnen
  • Bildung
    • Familie
    • Schule
    • Hochschule
    • Weiterbildung
  • Wissenschaft
  • Gesundheit
  • Recht
    • Recht Allgemein
    • Wirtschaft & Steuern
26.05.2012 23:54

Randerscheinung: Spieglein, Spieglein, schmeichle mir

03.09.2009 | 17:59 | von Florian Asamer (Die Presse - Schaufenster)

Ich komme da also neulich nach dem Laufen vor meinem Vorzimmerspiegel zu stehen. Der ist ziemlich groß, hat einmal meiner Großmutter gehört und ist schon in ihrem Vorzimmer gehangen. Damals hatte er noch einen goldenen Rahmen, den ich dann vor Jahren in einer meiner düsteren Phasen schwarz lackiert habe. Der Spiegel ist übrigens kein gewöhnlicher Spiegel.

Als Kind war ich nämlich öfter dabei, als sich meine Großmutter vor dem Aufbruch zu einer Abendeinladung darin kritisch gemustert hat. Sie hat dann immer gesagt, dieser Spiegel sei ein besonderer Spiegel, er schmeichle nämlich der Figur. Das hat mich als Kind schon ein wenig verwirrt. Weil erstens meine vollschlanke Omi vor dem Spiegel genau gleich ausgeschaut hat wie das Spiegelbild der älteren Dame, die sich da so zufrieden ihr Kostüm über den Hüften glatt gestrichen hat. Und ich zweitens nie verstanden habe, was ein Schmeichelspiegel eigentlich bringt, wenn man sich beim Abendessen auswärts ja dann ohnehin nicht durch sein Spiegelbild vertreten lassen kann.

Ich stehe also da so aufgedunsen-erhitzt im Vorzimmer und denke mir, wenn das, was ich da sehe, schon die Schmeichel­variante von mir ist, möchte ich gar nicht wissen, wie mein Abbild dann oben im Badezimmer im stinknormalen Ikea-Spiegel ausschaut. Da ich aber ohnedies duschen muss, bleibt mir dieser Anblick wenig später nicht erspart. Überraschenderweise ist mein Abbild hier eher besser als unten im Schmeichelspiegel. Das liegt natürlich weder an mir noch am Spiegel, sondern am Licht. Und da erinnere ich mich: Auch im Vorzimmer meiner Großmutter gab es kein Tageslicht. Wie bei Abendeinladungen auch. Ihr Spiegelbild wusste schon, warum es so zufrieden geschaut hat. Ich werde trotzdem den Schmeichelspiegel ins Badezimmer hängen. Sicherheitshalber. Falls mich doch einmal jemand einlädt.

Seitenanfang | Impressum | Feedback

Zur Vollversion wechseln

  © 2012 DiePresse.com