Die Ich-Pleite: Peinlich, peinlich!
01.10.2009 | 21:09 | von annemarie (Die Presse - Schaufenster)
Eine Situation wird ja erst dann peinlich, wenn man in ihr erwischt wird. Denn es ist nun einmal so, dass wir selbst mit unseren Fehlern und Schwächen viel nachsichtiger umgehen, als die Umwelt es tut. Die Umwelt ist sogar so unnachsichtig, dass sie Fehler sieht, wo gar keine sind. Nehmen Sie zum Beispiel einen Wirtschaftsprüfer, der den Auftrag hat, die Buchhaltung eines Bordells zu kontrollieren. Wenn er beim Betreten von der Freundin seiner Frau gesehen wird, wird ihm das ganz bestimmt peinlich sein.
Genauso ist es mir letzte Woche gegangen, als ich in der Lingerie-Abteilung eines neuen H & M von zwei Exkolleginnen mit einem Arm voller Unterwäsche überrascht wurde. Mir war es peinlich. Weil die beiden ja glauben könnten, ich sei eine Shoppingsüchtige, die sich die teuren Drogen nicht mehr leisten kann und deshalb mit Billigdessous ihre leere Seele auffüllt. Und bei näherem Hinschauen hätten sie außerdem noch denken können: „Und Sexualleben hat sie auch keines!“ Aber damit ist man natürlich selbst der Schelm, der Böses denkt. Denn es ist genauso wahrscheinlich, dass sie mich um meine bequemen, baumwollenen Riesenunterhosen beneideten, die sie nur nicht kaufen, weil ihr Karli dann die Nase rümpfen würde. Also tat ich das, was der im Bordell erwischte Wirtschaftsprüfer auch getan hätte. Ich sagte ihnen einfach die Wahrheit: „Die Unterhosen kauf ich übrigens für meine Mama. Sie hat sich grad beide Beine gebrochen.“