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26.05.2012 23:50

Die Ich-Pleite: Gedanken sind nicht stets parat

17.09.2009 | 16:39 | von annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Auf dem Weg zu meinem Schreibtisch, auf dem eine Kolumne geschrieben werden will, sagt ein Kollege zu mir, ich zelebriere an dieser Stelle wöchentlich meine Verzweiflung und beschreibe doch eigentlich nur meine gescheiterte Existenz. „Warum eigentlich nur eigentlich?“, frage ich und fühle mich irgendwie geschmeichelt. Auf meine gescheiterte Existenz sind wir über die fabelhafte Birgit Minichmayr gekommen (oder kennen Sie jemanden, der sie nicht fabelhaft findet?), Minichmayr also, die den Struwwelpeter spielt, was uns wiederum – warum auch immer – schnurstracks zu Wilhelm Busch geführt hat. Und da waren wir uns gleich einig: So wie der wären wir alle gern. Sätze wie „Ein Trinkgefäß, sobald es leer, macht keine rechte Freude mehr“ sind für die Ewigkeit. Dagegen ist man rasch einmal gescheitert.

Da wir aber nicht Wilhelm Busch sind, nicht einmal Heinrich Hoffmann und schon gar nicht Birgit Minichmayr (was mir persönlich das Liebste wäre, so fabelhaft, wie die ist), geben wir das wenige, was wir so haben, wie folgt zu Protokoll: Der Schulbeginn verändert den Tagesablauf nicht wesentlich, er verlegt ihn nur um ca. zwei Stunden nach vorne, dorthin, wo es dunkel ist. Das Badezimmer ist zwischen sechs Uhr dreißig und sieben Uhr fünfzehn gut ausgelastet, danach den ganzen Tag leer. Das Einbinden von nicht wiederverwendeten Einmalschulbüchern mit Plastikfolie ist aufwendig, teuer und ökologisch fragwürdig. Wenn jemand weiß, wie man das ohne Luftblasen zwischen Buch und Folie bewerkstelligt, bitte um Zuschriften an den Verlag. Der Weg zur Schule ist zwischen sieben Uhr dreißig und sieben Uhr fünfundvierzig gut ausgelastet. Danach den ganzen Tag leer. Wie mein Hirn heute. Wie hat Busch gemeint: „Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat.“ Fabelhaft, oder?

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