Die Ich-Pleite: Sommerrückblick - Insekten
10.09.2009 | 21:11 | von annemarie (Die Presse - Schaufenster)
Nur der Wirtschaftskrise habe ich es zu verdanken, dass ich in diesem Sommer eine alte Kindheitsbeschäftigung wiederaufnehmen konnte: das Beobachten von Insekten. Von Stubenfliegen, um genau zu sein. Dabei bin ich auf erstaunliche Ergebnisse gestoßen. Ich habe erkannt: Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und verdient deshalb seine individuelle Beseitigung. Bei meinen stundenlangen Recherchen (ich liegend auf dem Sofa, das Tier hektisch im Raum herumfliegend) stellte ich Folgendes fest: Es gibt zwei Arten von Stubenfliegen. Die großen lauten und die kleinen leisen. Aber es sind nicht die großen lauten, die einen so in den Wahnsinn treiben, dass man mit blutunterlaufenen Augen mit großformatigen Zeitungen hinter ihnen herjagt, sondern die kleinen leisen!
Im Gegensatz zu den großen lauten haben die kleinen leisen nämlich überhaupt kein Interesse, möglichst bald wieder aus dem Fenster hinaus in die Sonne (oder einer anderen Lichtquelle entgegen) zu fliegen. Sondern sie lieben es, Menschen zu quälen. Sich auf sie zu setzen, wenn sie gerade dabei sind, auf dem Sofa ein wenig einzudösen. Dafür haben sie den Tod verdient. Ich denke, das ist von der weisen Mutter Natur so eingerichtet. Ich bin die überlegene Spezies und brauche mich nicht von einem evolutionär weit unter mir lebenden Viech beim Mittagsschlaf stören zu lassen.
So! . . . da wäre jetzt nur noch das Hundegebell unterm Fenster.