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26.05.2012 23:49

Wir Loser halten zusammen!

04.06.2009 | 20:21 | von annemarie (Die Presse - Schaufenster)

Immer dann, wenn mich einmal der Nutzlosigkeitsblues überfällt, lege ich mich auf mein Sofa und mache nichts.

Ich brauche nie lange zu warten, schon läutet mein Telefon. Und dran ist jemand, der mich dringend braucht. Jemand, der schon viele Menschen vergeblich um Hilfe gebeten hat, aber nur abgewürgt oder angeschnauzt worden ist. Jetzt ist er endlich bei mir gelandet. Ich gebe ihm, was er braucht: meine Meinung. Zur Bundesregierung, zu den EU-Wahlen, zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, zu Fertiggerichten, Biersorten und Damenhygiene.

Ich lasse mir auch gerne Testabos andrehen und gebe dann Auskunft, was ich wann gelesen oder nicht gelesen habe. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht meinen Dienst an der Dienstleistung tue! Ich denke dabei nur an die armen, geringfügig beschäftigen JungakademikerInnen in den Callcentern. Denn es gibt nicht mehr viele, die ihnen bei ihrer Arbeit helfen könn­ten. Genau genommen werden wir Tag für Tag weniger.

Jedes Mal, wenn sich ein Festnetzkunde in Richtung Mobiltelefonie verabschiedet, verschwindet wieder ein winziges Partikel eines leicht erreichbaren Zielgruppensegments. Bald werde nur noch ich übrig sein. Und ein paar alte Herrschaften, die leider altersmäßig aus der meinungsforschungs-relevanten Zielgruppe herausfallen. Ich kann doch nicht so herzlos sein und auch mein Festnetz abmelden! Ich bin ja sogar bei der katholischen Kirche geblieben.

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