DiePresse.com Ressorts ausblenden Ressorts anzeigen Galerien Videos
  • Politik
    • Innenpolitik
    • Außenpolitik
    • Europa
    • Zeitgeschichte
  • Wirtschaft
    • Österreich
    • International
    • Finanzen
    • Bilanzen
  • Panorama
    • Wien
    • Österreich
    • Welt
  • Kultur
    • Bühne
    • Kunst
    • Medien
    • Film
    • Klassik
    • Pop & Co
    • Literatur
  • Tech
    • Hightech
    • Internet
    • Handy
  • Sport
    • Motorsport
    • Mehr Sport
    • Fußball
  • Leben
    • Menschen
    • Lebensstil
    • Essen & Trinken
    • Reise
    • Kreativ
    • Motor
    • Wohnen
  • Bildung
    • Familie
    • Schule
    • Hochschule
    • Weiterbildung
  • Wissenschaft
  • Gesundheit
  • Recht
    • Recht Allgemein
    • Wirtschaft & Steuern
27.05.2012 00:54

Filmcharaktere: Der Millionär hat's schwer

29.10.2009 | 19:26 | von Christoph Huber (Die Presse - Schaufenster)

Bild: (c) AP

Reichtum ist keine Schande, fördert aber offenbar Charaktermängel: Ein Streifzug durch die düsteren Filmbilder von Millionären in Schwierigkeiten und anderen ruchlosen Reichen.

Die Glaskugel mit der Kunstschneelandschaft entgleitet der Hand des Sterbenden, rollt über zwei teppichbezogene Stufen und zerbricht in tausend Stücke, als sie auf dem Marmorboden aufschlägt. Die Scherben eines Lebens, dazu ein geheimnisvolles Wort: „Rosebud.“ Der folgende Film handelt von der Suche nach der Bedeutung dieses Wortes, das ein Schlüssel zur Existenz des Toten sein soll. Aber die biografischen Bruchstücke, die ein Reporter zusammenträgt, fügen sich nicht zum Ganzen: Was war das Geheimnis dieses Mannes, dessen kometenhafter Aufstieg den amerikanischen Tellerwäscher-zum-Millionär-Traum verwirklichte, sich schließlich einsam, enttäuscht und unbefriedigt in seinen Privatpalast zurückzog? Citizen Kane, ein Meilenstein der Filmgeschichte, 1941 inszeniert vom Wunderkind Orson Welles, der Kane auch verkörperte, entwarf ein denkwürdig düsteres Bild des reichen Mannes als armer Teufel.

Denn auch wenn die Filmgeschichte, gerade der Traumfabrik Hollywood, voll ist mit Feel-good-Fabeln vom fantastischen Geldsegen – auch heutzutage erlebt ja noch der letzte Slumdog sein blaues Millionenwunder: Der Millionär hat’s oft schwer. Dass Reichtum allein nicht glücklich macht, ist dabei natürlich nur die Kehrseite der anderen Hollywood-Märchen mit ihren Aufstiegsversprechen für die armen Massen: ­eine Art verkehrter Eskapismus, wenn man so will.

Der eigenwillige Filmemacher. Welles, dessen frühes Karriereversprechen in den Beschränkungen des Studiosystems eine Fiktion blieb, ist in einer anderen verwinkelten Fiktion 1955 zur Figur des finsteren reichen Mannes zurückgekehrt, hat ihn sogar zum Milliardär befördert: Als ominöser Mr. Arkadin täuscht er Amnesie vor und lässt seine Vergangenheit untersuchen – ein labyrinthisches Ränkespiel, bei dem der Auftraggeber in Wirklichkeit die Fäden in der Hand hält. Arkadin ist unheimlicher als Kane, weil man seinen Werdegang nicht sieht: keine hochfliegenden Träume, kein jugendlicher Enthusiasmus, nur die tückischen Pläne eines Machtmenschen.

Vielleicht nicht ganz ohne Einfluss auf die Konzeption der Figur war Welles’ Konflikt mit einem anderen multimillionenschweren Magnaten: US-Zeitungszar Randolph William Hearst, der sich in Kane karikiert sah und eine Kampagne gegen den Film startete. Wer weiß, was der 1951 verstorbene Hearst unternommen hätte, wenn er 1997 den von Jonathan Pryce gespielten Bond-Schurken in ­Tomorrow Never Dies gesehen hätte: ein an Rupert Murdoch angelehnter Medienmogul, der aber mindestens ebenso sehr von Hearst inspiriert ist – und ihn sogar bewundernd zitiert. In der Figur steckt auch eine Spur Ted Turner: Wenn man den mit Donald Trump kreuzt, erhält man den Immobilienspekulanten und TV-Tycoon aus Joe Dantes großartiger Satire Gremlins 2 von 1990, der bei aller Profitgier vergleichsweise freundlich wirkte.

Vollends widersprüchlich sind die Bilder des Mannes, der die mächtigste Milliardenspur durchs Kino zog: Howard Hughes war, mehr oder minder verschlüsselt, Vorbild vieler Leinwandfiguren, noch bevor ihm Martin Scorsese 2004 die Filmbiografie The Aviator widmete. Ein wenig von ihm ist schon in Kane zu sehen, Welles montierte die Figur aus mehreren Machtmenschen (dass Hearst sich exklusiv wiederzuerkennen meinte, spricht jedenfalls dafür, dass die Megalomanie der Magnaten gut getroffen wurde). Der verstörend obsessive Millionär, den Robert Ryan 1949 im superben Noir-Melodram Caught von Max Ophüls gab, war eindeutig eine Hughes-Variation.

Auch George Peppard ließ es 1964 in The Carpetbeggars nach Harold Robbins nicht an Rücksichtslosigkeit mangeln, wohingegen 1979 Jason Robards in Jonathan Demmes feiner Tragikomödie Melvin and Howard als schrulliger älterer Herr auftrat, der dem anderen Titelhelden sogar ein Vermögen vermachte. 1989 gestattete Francis Ford Coppola Hughes zwar nur einen Gastauftritt (in Gestalt Dean Stockwells), aber zeigte ihn als Seelenverwandten seines gescheiterten Visionärs Tucker. Zumal Hughes ja auch Filmproduzent mit Fliegerfetisch und Faible für antikommunistische Propaganda war, scheint es recht und billig, dass er in so vielen Filmen verewigt ist: Der Super-Cinephile Scorsese entwirft in Aviator denn auch eher eine Art Selbstporträt zwangneurotischer Bessessenheit.

Batman ((c) Warner)
Batman ((c) Warner)
Das Schwerreichenschicksal. An Neurosen mangelt es auch dem berühmtesten maskierten Milliardär nicht: Der Mord an seinen Eltern machte Bruce Wayne erst zum Selbstjustizsuperhelden Batman (auch ­Arkadin war nur über seine Familienbande verwundbar: Die Liebe zur Tochter ist seine einzige Schwäche). Der Fledermausmann durfte zwar in den kunterbunten Sixties witzig sein, in seiner der­zeitigen ­Inkarnation durch Christian Bale ist er aber finsterer drauf denn je – ein echtes Schwerreichenschicksal, wenn man den Hollywood-Visionen von mörderischen Millionären glaubt.

In Peter Bogdanovichs Stumm­film­ära-Schlüsselfilm The Cat’s Meow von 2001 taucht wieder Hearst auf – und tötet aus Eifersucht den falschen Regisseur: Thomas Ince statt Charlie Chaplin. Chaplin wiederum hat schon 1931 in City Lights, frei nach Brechts „Herrn Puntila“, ­seine eigene, endgültige Ver­sion vom armen reichen Mann entworfen: einem Mil­lionär, der nur so lange menschlich handelt, solange er be­soffen ist.

Seitenanfang | Impressum | Feedback

Zur Vollversion wechseln

  © 2012 DiePresse.com


Bild: (c) AP