Joss Stone: Herz auf der Zunge
29.10.2009 | 19:17 | von Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)
Die britische Soulsängerin Joss Stone erzählt, was für sie Luxus ist, mit welchen Tricks sie Kollegen zu Duetten überredet und was ihre Katzen mit ihren Schuhen verbindet.
Die 22-jährige britische Soulsängerin Joss Stone nahm ihr viertes Album auf. Es geriet vielseitig wie nie. Mit Stargästen wie Jeff Beck, David Sanborn und Nas tastet sich die Blondine in Hip-Hop und Gospel, Pop und R&B vor. Und ab und zu blitzt auch der Deep Soul ihres Debüts auf. Das Schaufenster traf die entspannte Stone in Köln.
Ihr neues Album ist „Colour Me Free“ betitelt. Nach welcher Art von Freiheit stehen Ihnen die Sinne?
Wahrscheinlich nach jeglicher Art von Freiheit, vor allem aber nach Freiheit durch Kunst und nach der Freiheit, meine Musik exakt so gestalten zu können, wie ich will. Jeder Aspekt des Lebens sollte befreit sein, nur dann bist du echt. Idealerweise macht man nur Dinge, die von Herzen kommen. Erzwungene Freundlichkeiten machen unfroh. Auf die Musik bezogen, klingt man dann unecht.
Tragen Sie als Sängerin Ihr Herz auf der Zunge?
Natürlich. Der Hauptgrund, warum ich singe, ist, Leute dazuzubringen sich gut zu fühlen. Das war von allem Anfang an so. Ich liebte das Singen, aber öffentliche Auftritte waren eine Qual für mich. Ich absolvierte sie nur, um den Menschen um mich herum und dem Publikum Freude zu machen. Davor und danach weinte ich meistens. Ich hasste das Gefühl, dass mich alle anstarrten. Mit der Zeit gewann ich Vergnügen daraus, meine Hörer glücklich machen zu können.
Unglaublich, dass Sie ein paar Jahre später Duette mit James Brown, Stevie Wonder, Natalie Cole realisierten und sogar bei einem Tribute vor Ihrer Lieblingssängerin Aretha Franklin sangen . . .
Am beängstigendsten war mein Duett mit James Brown, aber auch das habe ich genossen. Nervös zu sein ist kein lustiges Gefühl, aber ich habe es bei solchen Gelegenheiten. Und vor den Augen von Aretha zu singen, das war surreal. Ich liebe Aretha so sehr, sie ist die Königin des Soul, die Königin des Gesangs. Ich hatte solche Angst, dass sie mich hassen würde. Aber dann fiel mir wieder ein, dass sie mich ja selbst ausgesucht hatte. Nichtsdestotrotz brach ich gleich danach backstage in Tränen aus.
Kürzlich sprach ich mit Eirik Boe, einem der beiden Sänger von Kings Of Convenience. Er meinte, dass er gerade in den Abhängigkeiten die große Freiheit und den großen Lebensgenuss sehe. Wie finden Sie das?
Es kann nett sein, wenn sich Menschen auf dich verlassen oder du dich auf Menschen verlassen kannst. Es kann, aber es muss nicht sein. Ich bin in meinem Leben von Leuten, auf die ich mich verlassen habe, auch enttäuscht worden. Das ist verletzend. Das muss man sich nicht in der Endlosschleife geben. Der einzige Mensch, auf den ich mich in diesem Leben noch verlasse, ist meine Mom.
Wie haben Sie all die berühmten Kollegen von Jeff Beck, David Sanborn und Nas bis Jamie Hartman in Ihr improvisiertes Studio in Devon locken können?
Das war nicht schwer: mit weicher Stimme anrufen, die Vokale langziehen, ein paar Pausen an den richtigen Stellen, und schon klappt’s.
Im Moment gibt es eine richtige Soulsängerinnenschwemme in Großbritannien. Da dürfte die Konkurrenz härter geworden sein . . .
So darf man nicht denken. Musik ist kein Wettbewerb. Ich würde mit jeder Kollegin singen. Am liebsten wohl mit Amy Winehouse oder mit Adele. Ich finde es cool, dass so viele jetzt in diese Richtung gehen. Als ich mit Soul anfing, hatte ich die ärgsten Probleme, einen Plattenvertrag zu bekommen. „Sorry Honey, you’re too different“, sagte man damals oft zu mir. Damit hat es jetzt ein Ende.
Sie starteten spektakulär mit einem von Soul-Ikone Betty Wright produzierten Album, auf dem Granden wie Timmy Thomas und Latimore mitspielten. Beeinflusste Sie dieser Einstieg auch als Songwriterin?
Auf jeden Fall. Das war ein Glücksfall, mit derart brillanten, beseelten Musikern beginnen zu dürfen. Ich hörte immer schon die Musik von Aretha Franklin und Anita Baker, aber auch Bob Marley. Für mich ist Soul kein Genre, sondern ein bestimmtes Gefühl, dass auch im R&B, im Jazz, im Reggae oder im Hip-Hop auftauchen kann.
Was bedeutet Luxus für Sie?
Musik machen zu können, wann immer ich Lust dazu habe, das ist mein größter Luxus.
Haben Sie so etwas wie Stil-Ikonen?
Sorry! (lacht), so etwas habe ich nicht. Ich wechsle schon gern Farben und Formen, aber ich mag es nicht, wenn Menschen sich auf einen Stil oder einen Designer festlegen.
Das klingt ja sehr gesund!
Auf jeden Fall. Da sind wir wieder bei der Freiheit. Ich kann mich stylemäßig plötzlich verändern, ohne dass ich jemandem Schmerzen verursache.
Wie sieht es mit Shopping aus. Haben Sie da irgendwelche Schwächen?
Natürlich Schuhe! Obwohl ich sie kaum trage. Weder auf der Bühne noch in geschlossenen Räumen. Schuhe schmerzen mich meistens, aber was ich an ihnen liebe, ist ihre Rätselhaftigkeit. Ich bin sehr praktisch veranlagt und könnte – mit Ausnahme des Fernsehers – wohl alles in diesem Raum auch selbst bauen. Schuhe aber sind ein wirkliches Stück Kunst. Vielleicht lerne ich noch mal Schuhe zu machen. Das wollte ich eigentlich als Kind einmal lernen.
Haben Sie Schuhdesigner, deren Werke Sie besonders verehren?
Hab ich. Und ich habe sogar meine Katzen nach ihnen benannt. Christian Louboutin, Vivienne Westwood und Jimmy Choo. Mein kleinstes Kätzchen in Schwarz-Weiß heißt Jimmy Choo. Ich habe es – wie die anderen auch – auf der Straße aufgelesen. Ich musste diese Kätzchen einfach mitnehmen. Die wären doch sonst erfroren . . .
| TIPP |
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| Colour Me Free von Joss Stone (EMI) |
Gewinnspiel
Das Schaufenster verlost drei Mal das neue Album von Joss Stone "Colour Me Free".
Teilnahme bis zum 16. November 2009 möglich. Die Gewinner werden schriftlich verständigt.
