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27.05.2012 00:48

Frankfurt: Weltgrößte Buchmesse

08.10.2009 | 19:19 | von Simone Spohr (Die Presse - Schaufenster)

Bild: (c) AP (MICHAEL PROBST)

Die weltgrößte Buchmesse, die Internationale Automobilausstellung, die Deutsche Pelzmesse – Messen ziehen regelmäßig Besucher aus aller Welt nach Frankfurt. Doch auch unabhängig vom Messegeschehen ist die Mainmetropole immer wieder einen Besuch wert.

Diesen Kosenamen verdient die Stadt am Main wahrlich: Mainhattan. O. k., ver-glichen mit manchen amerikanischen, asiatischen und nordafrikanischen Metropolen stapelt Frankfurt da schon mächtig hoch. Doch in Europa liegt es mit seiner Hochhaussilhouette gleichauf mit Weltstädten wie London, Moskau und Paris. Die besten Architekten der Welt haben an der beeindruckenden Skyline mitgebaut. Der Messeturm aus rosafarbenem Granit und mit Art-déco-Anklängen etwa ist ein Werk Helmut Jahns, der Commerzbanktower, von Sir Norman Forster entworfen, punktete 1997 als erstes ökologisches Bürohochhaus weltweit.

Auch das ist Frankfurt: weltweite Passivhaushauptstadt. Fffft, in Sekundenschnelle schießt der Aufzug im Maintower hinauf zur 54. Etage – bei diesem Tempo stellt sich schon ein leicht flaues Gefühl im Magen ein. Im Unterschied zu den meisten anderen Hochhäusern der Stadt dürfen auf diese luftige Aussichtsplattform auch Besucher. Und im Maintower-Restaurant, 187 Meter über der Erde, genießt man bei – zugegeben nicht unbedingt preiswerten, aber auf klangvolle Namen wie „Großstadtleben“ getauften – Menüs, etwa zum bardierten Seeteufel auf Zuckererbsencreme, eine ähnlich beeindruckende Sicht über die Stadt wie ein Bankenvorstand. In vielen der anderen Türme bleibt nur ihnen dieser illustre Blick vorbehalten. Kontinuierlich wächst und verändert sich die Skyline. Neue Türme wie der Opernturm mit Cafés, Einkaufsarkaden und Büros stehen kurz vor der Eröffnung, überall im weiteren Innenstadtbereich ragen Baukräne in den Himmel, wird gehämmert, erneuert, verschönert.

Finanzkrise – welche Finanzkrise? Rund ums Bankenviertel ist davon im Alltag wenig zu spüren. Hier schlägt nach wie vor das Herz der deutschen Stadt des Mammons. Ganze Heerscharen uniform dunkelblau und grau gekleideter Businessmänner und -frauen ergießen sich aus den U- und S-Bahnstationen nahe der Taunusanlage in die gläsernen Banktürme und Bürohäuser.

Dies ist eine Seite Frankfurts. Doch daneben existieren noch unzählige andere, oft überraschende. Wem ist schon Frankfurts historische Bedeutung bewusst? Dabei entstand in dem elliptischen Rotsandsteinbau der Paulskirche 1848 die erste demokratische Verfassung für Deutschland. Rund 100 Jahre später, im Mai 1949, schien das zentral gelegene Frankfurt als Bundeshauptstadt prädestiniert. Doch der Parlamentarische Rat entschied sich damals mit 33 zu 29 Stimmen für Bonn.

Beide Städte liegen an einem Fluss, doch in Frankfurt hat sich der Main vom Osten bis in den neuen Westhafen erst in den letzten Jahren zur echten Lebensader quer durch die Stadt entwickelt. Ob nach dem Joggen, Skaten, Radfahren, nach der Arbeit oder an einem geruhsamen Sonntagmittag, sobald es draußen wärmer wird, trifft man sich hier am Main – und anderswo – zum „Schoppe petze“, also zum Apfelweintrinken. Wo’s „Kränzi“ hängt, wird ausgeschenkt: Reisigkränze über den Türen, wie beim „Fichtekränzi“, kennzeichnen vor allem in Bornheim, Sachsenhausen und anderen alten Stadtbezirken noch die Apfelweinwirtschaften.

Nicht- und Neu-Frankfurter tasten sich an das hessische Nationalgetränk besser erst mal vorsichtig heran. Denn das „Stöffche“, wie es in Frankfurt liebevoll heißt, hat seine Eigenarten. Zum einen ist der vergorene Apfelmost ziemlich sauer, zum anderen ist er gut für Kreislauf, Blutdruck – und für die Verdauung. Um die herbe Säure und zugleich die diversen Wirkungen etwas abzumildern, gehören folgende Ausdrücke für Äppelwoi-Neulinge unbedingt ins Vokabular: „sauer-“ und „tiefgespritzt“. Mit etwas Mineralwasser gemischt wird der Apfelwein zum Sauergespritzten, mit viel Mineralwasser zum Tiefgespritzten.

Auch in der eher deftigen Frankfurter Küche gibt es als gute Grundlage zum „Stöffche“ Alternativen zu Rippchen mit Kraut oder Schlachtplatte mit Kartoffelpüree. Deutlich leichter kommt die Grie Soß‘ daher. Dabei treffen sich sieben Kräuter – daher der Name „Grüne Soße“ – mit Schmand, der deutschen Creme fraiche, oder saurer Sahne, kalorienreduzierter geht’s auch mit Joghurt. Mit hartgekochten Eiern und Kartoffeln ist es eine vollwertige Mahlzeit.

Doch welches Mahl ist schon rund ohne eine kleine Nascherei? Zum Kaffee muss daher ein Bethmännchen her. Die süßen Teigkugeln aus Marzipan und Mandeln werden schon seit Langem mit drei Mandeln verziert, als Andenken an die Söhne der Stadtratsfamilie Bethmann. Auch das ist typisch für die pulsierende Bankenmetropole: Immer wieder trifft geschätztes Althergebrachtes auf Ultramodernes, Urdeutsches auf eine internationale Vielfalt. Das verläuft nicht immer reibungslos, etwa wenn über den Bau einer dritten Moschee gestritten wird. Doch Einwohner aus rund 180 Nationen sorgen für Frankfurts weltoffenes Flair. Auch da behauptet sich die Mainstadt gut in einer Reihe mit anderen europäischen Metropolen.

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Bild: (c) AP (MICHAEL PROBST)