DiePresse.com Ressorts ausblenden Ressorts anzeigen Galerien Videos
  • Politik
    • Innenpolitik
    • Außenpolitik
    • Europa
    • Zeitgeschichte
  • Wirtschaft
    • Österreich
    • International
    • Finanzen
    • Bilanzen
  • Panorama
    • Wien
    • Österreich
    • Welt
  • Kultur
    • Bühne
    • Kunst
    • Medien
    • Film
    • Klassik
    • Pop & Co
    • Literatur
  • Tech
    • Hightech
    • Internet
    • Handy
  • Sport
    • Motorsport
    • Mehr Sport
    • Fußball
  • Leben
    • Menschen
    • Lebensstil
    • Essen & Trinken
    • Reise
    • Kreativ
    • Motor
    • Wohnen
  • Bildung
    • Familie
    • Schule
    • Hochschule
    • Weiterbildung
  • Wissenschaft
  • Gesundheit
  • Recht
    • Recht Allgemein
    • Wirtschaft & Steuern
Politik » Zeitgeschichte

Drei Männer und eine historische Sternstunde

31.10.2009 | 18:35 | (Die Presse)

Bild: (c) AP (Markus Schreiber)

Bewegende Gedenkveranstaltung zu 20 Jahren Mauerfall mit Kohl, Bush sen. und Gorbatschow in Berlin.

„Ich hab' nichts Besseres als stolz zu sein auf die deutsche Einheit. Die Deutschen haben dies gemeinsam erreicht, mutig und friedlich. Das ist alles nicht selbstverständlich gewesen.“ Nicht nur der deutsche Altbundeskanzler Helmut Kohl war bei der Festveranstaltung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls sichtlich bewegt. Die meisten der 2000 Besucher im Friedrichstadt Palast mitten in Berlin hatten feuchte Augen, als Kohl gemeinsam mit den früheren Präsidenten der USA und Russlands, George Bush senior und Michail Gorbatschow, auf der Bühne saß. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nur als Zuhörerin zugegen war, musste gegen die Tränen ankämpfen.

Es war das erste Treffen der drei Männer seit Jahren – und wohl auch das letzte. Kohl saß im Rollstuhl, wirkte stark angeschlagen und war streckenweise kaum zu verstehen. Bush kam am Stock. Nur Gorbatschow, der allerdings auch jünger ist, war fit. Und zeigte am wenigsten Emotionen. Mit Pokerface absolvierte er die Zeremonie.

„Drei Völker, drei Männer und eine geschichtliche Sternstunde, die im irdischen Kalender von Frühjahr 1989 bis Herbst 1990 reichte, zweimal Saat und Ernte – in Deutschland und in Europa.“ Bundespräsident Horst Köhler würdigte die Verdienste der drei Staatsmänner, die das unmöglich Erscheinende Wirklichkeit hatten werden lassen: Gorbatschow, der Russland Glasnost und Perestrojka gebracht und – anders als seine Vorgänger am 17. Juni 1953 – den sowjetischen Truppen den Befehl gegeben hatte, in den Kasernen zu bleiben, die Panzer nicht rollen zu lassen. Bush, der die Deutschen vorbehaltlos unterstützt hatte – „eine Hilfe von unermesslichem Wert“. Und nicht zuletzt Kohl, der die Zeichen der Zeit erkannt und das Heft in die Hand genommen hatte. „Er hat den Traum vom neuen, vereinten Europa weitergetragen und vorangebracht.“

Ein Video versetzte die Versammelten in den Herbst 1989 zurück, die drei alten Herren erinnerten sich in kurzen Statements. Anrührend, aber – bis auf Bush – schwer verständlich. Bei Kohl lag es an den Artikulationsschwierigkeiten, bei Gorbatschow an der Simultanübersetzung. „Amerika braucht auch seine Perestrojka“ – hat er das wirklich gesagt? „Der muss betrunken sein“, murmelt ein Zuhörer. Bush rollt die Augen, nestelt an seinen Kopfhörern. Kohl lächelt milde. Dies ist nicht der Tag für diplomatische Verstimmungen.

Es ist vielmehr die Stunde der gemeinsamen Erinnerung, in der eines nicht fehlen darf: die Würdigung der Leistung der Ostdeutschen. „Den mutigen Männern und Frauen von damals gilt unser erster Gruß“, erklärte der Eröffnungsredner Bernhard Vogel, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, die zu der Festveranstaltung geladen hatte. „Ohne Schuss, ohne einen Tropfen Blut“ ging die friedliche Revolution über die Bühne. „Wir Deutsche haben nicht allzu viel Grund in unserer Geschichte, stolz zu sein“, so Kohl, aber die Ereignisse 1989/90 hätten gezeigt, „dass die Deutschen endlich zur Vernunft gekommen sind“. e.m.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.11.2009)

Seitenanfang | Impressum | Feedback

Zur Vollversion wechseln

  © 2012 DiePresse.com


Bild: (c) AP (Markus Schreiber)