Österreich verhandelt über Beteiligung an „South Stream“
20.11.2009 | 18:40 | (Die Presse)
Mit der Gaspipeline „South Stream“ will Russland künftig das Transitland Ukraine umgehen.
Wien (jaz/APA). Auch wenn Russland und die Ukraine nun eine Einigung über Gasliefermengen gefunden haben und ihren Streit vorerst für beendet erklären (siehe nebenstehenden Artikel), arbeitet Moskau weiterhin fieberhaft daran, das für den Kreml lästige Transitland loszuwerden. Helfen sollen dabei neue Gaspipelines, die die Ukraine umgehen. Im Norden arbeitet Russland gemeinsam mit Deutschland an der Ostseepipeline „North-Stream“, die beide Länder direkt verbinden soll. Im Süden ist es das Projekt „South-Stream“, das Westeuropa über die Türkei, Bulgarien, Serbien und Ungarn mit dem russischen Leitungsnetz verbinden soll. Bei diesem Projekt verhandelt seit Freitag nun auch Österreich über eine Beteiligung, wie vom Wirtschaftsministerium bestätigt wurde.
Ein Einstieg Österreichs bei „South Stream“ war bereits beim Besuch von Bundeskanzler Werner Faymann in Moskau vor zwei Wochen das Hauptthema, „Die Presse“ berichtete. So will der russische Ministerpräsident Wladimir Putin den Gasknotenpunkt Baumgarten an der österreichisch-slowakischen Grenze zur Gasdrehscheibe Europas ausbauen. Dort enden bereits die bestehenden Transitleitungen, die durch die Ukraine führen. Zudem startet die OMV demnächst gemeinsam mit der Gazprom eine Gasbörse in Baumgarten.
In Baumgarten soll aber auch die Pipeline Nabucco enden, mit der ab 2014 Gas aus dem kaspischen Raum nach Europa kommen soll. Ob „South Stream“ auch für Nabucco eine Konkurrenz ist, darüber sind sich Experten uneinig. Klar ist aber, dass langfristig der Gasbedarf in Europa weiter steigen und die Eigenförderung in der Nordsee zurückgehen wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2009)