UN-Tribunal: Angeklagter Karadzic erstmals vor Gericht
02.11.2009 | 18:34 | (Die Presse)
Am Dienstag soll über die Fortführung des Verfahrens entschieden werden. Laut Richter O-Gon Kwon könnte das Verfahren in Abwesenheit Karadzics fortgesetzt oder ein Pflichtverteidiger bestellt werden.
Wien/Den Haag (ag./red.). Begonnen hat sein Prozess bereits vergangenen Montag. Am Dienstag will der Angeklagte nun erstmals selbst vor Gericht erscheinen: Radovan Karadzic, ehemaliger Chef der bosnischen Serben.
Der 64-jährige Karadzic, der wegen Kriegsverbrechen, Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist, hat das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bisher boykottiert. Auch am Montag war der ehemalige Präsident der bosnischen Republika Srpska nicht vor dem Gericht erschienen, wo die Verlesung der Anklage fortgesetzt wurde. Karadzic begründete seinen bisherigen Boykott des Prozesses mit mangelnder Zeit für die Vorbereitung auf die Verhandlung.
Entscheidung über Fortsetzung
Am Dienstag soll über die Fortführung des Verfahrens entschieden werden. Laut Richter O-Gon Kwon könnte das Verfahren in Abwesenheit Karadzics fortgesetzt oder ein Pflichtverteidiger bestellt werden. Gegen letzteren Vorschlag wehrt sich Karadzic, der angekündigt hat, sich selbst verteidigen zu wollen. Dazu sei er allerdings erst im Mai oder Juni bereit. Der 64-Jährige hatte in einem Schreiben erklärt, er wolle mit dem Gericht eine Lösung für einen schnellen und gerechten Prozess finden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)
