Geschmacksfrage: Zum Schwarzen Adler
22.10.2009 | 19:02 | von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Die Wirtsleute vom Schwarzen Adler in Wien hören auf. Ein Wildschweingulasch zum Abschied.
Alte Wirtshauswerte. An dieser Stelle wird häufig über Lokale berichtet, die gerade eröffnet haben. In den anderen Zeitungen passiert Ähnliches, was bei den wenigen Dreifach- und Vierfachlesern zu einer gewissen Langeweile führen kann. Ich bin viel, aber nicht langweilig. Daher schreibe ich heute über eine Gaststätte, die in dieser Form zusperrt. Und zwar nicht irgendeine.
Nein, das wunderbar altmodische Wirtshaus Zum Schwarzen Adler wird mit Ende des Jahres von den Betreibern, der Familie Blank, aufgegeben. Wäre ich ein bisschen mehr wie meine Wien-Ressortleiter-Vorgänger Thomas Chorherr und Hans-Werner Scheidl, würde ich an dieser Stelle wortreich ein Stückchen Abendland begraben. Dass in Zeiten von Pan-Asia statt Pan-Europa das Gutbürgerliche eben ausstirbt, dass schnelles Lounge-Bar-Geld mehr Anklang findet als alte Wirtshauswerte. Aber da die Wiener Wirtshäuser ansonsten boomen wie schon lange nicht, beklage ich nur den Abschied von einer guten Küchenadresse.
Bis 31. Dezember muss jeder noch einmal essen gehen: Ich habe mich vergangene Woche schon in die Herbstmelancholie begeben, klassisch brav mit einem Tafelspitz (16,5 Euro), aufrecht fleischig mit einem Beef-Tatar (15,9), was hier immer eine Pflichtbestellung war und ist, sowie nachhaltig mit einem großartigen, geschmacklich wuchtigen Wildschweingulasch (13,9). Nachhaltig? Nein, ich bin kein ökosozialer Gutesser geworden, aber diesen intensiven Paprika-Wildschwein-Zwiebel-Geschmack vergisst man lange nicht. Den Schwarzen Adler und die Blanks natürlich auch nicht. Beim Hinausgehen habe ich den Radetzkymarsch gepfiffen: Das wäre doch ein würdiges Abschiedsessen dort: Grenadiermarsch für alle! Adieu, wie wir Pathos-Restaurantkritiker gerne sagen.
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| Zum Schwarzen Adler, Wien 4, Schönbrunner Straße 40, Tel.: 01/544 11 09; DiSa 11.3015 Uhr, 1823 Uhr |
