Geschmacksfrage: Gasthaus Stafler
15.10.2009 | 17:21 | von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Kindheitserinnerungen an Südtirol in Wien-Meidling? Fehlt nur die dicke, fette Weinsuppe.
Es ist eine Alterserscheinung: Seit Kurzem habe ich Lust, Destinationen zu besuchen, deren Namen mich früher in Tiefschlaf versetzten. Bei Irland, Skandinavien und dem Schwarzwald argumentierte ich stets, dass man sich ein paar Dinge für die Pension aufheben sollte. Doch neuerdings will ich nach Südtirol, träume von Maroni, goldenem Laub und Schlutzkrapfen, dem kulinarischen Missing Link zwischen Tirol und Italien: mit Spinat gefüllten Nudeln, die nach brauner Butter schreien. Als Kind war ich häufig in Alto Adige – so vermeide ich elegant eine Wortwiederholung – bei Verwandten, Besuche im Brixener Elefanten und im Wirtshaus Staflerhof in Mauls waren prägende Erlebnisse. Dort gab es irgendeinen Konnex zu meiner Familie. Angeblich kam die Tochter der Wirtin Bettchen an Bettchen mit mir auf die Welt. Oder war meine Mutter mit ihr in der Klosterschule? Egal, mich interessierte nur das Küchenangebot, ich befand mich in der Blauen-Forellen-Phase. Heute führt das Restaurant einen Michelin-Stern.
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| Gasthaus Stafler, 12., Ehrenfelsgasse 4, Tel. 815 62 35, MiSa 1023, So 1015 Uhr |
