Geschmacksfrage: Vestibül
10.09.2009 | 21:09 | von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Ein neuer Name in der Burg. Im Vestibül kocht einer konservativ und doch modern. Und er hasst Kritik.
Härte schadet keiner Restaurantkritik. Tester, die sich von Geschichten über hungrige Wirtskinder und die harte Jugend des Kochs einlullen lassen, schicken Leser in die Irre. Auch das Argument, Gastronom XY habe schon so viel für die Küche des Landes getan und verdiene daher Milde, geht daneben. Auf der Rechnung stehen Gerichte und Getränke und kein Kulturbeitrag. Doch in Wien werde auch ich langsam schwach. Nachdem die führenden Köche sich in Wirtshäusern oder auf Veranstaltungen verdingen, muss man die verbliebenen Kämpfer für Kulinarik fern des Schnitzels loben. (Ja, das mag ich auch.) Deswegen preisen wir Heinz Reitbauer und verfolgen argwöhnisch, aber wohlwollend die Karriere von Christian Domschitz. Nach dem Restaurant Walter Bauer ging es ins Ambassador von Toni Mörwald, zuletzt stand er im Schwarzen Kameel in der Küche. Und jetzt im kleinen Stein-Palast im Burgtheater, an der Seite von Chefin Veronika Doppler. Die „Faust“-Premiere haben sie überlebt, Direktor Matthias Hartmann kommt fast täglich zum tröstenden Essen. Das ist nicht nur geografisch schlau; Domschitz kann kochen.
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| Vestibül, Wien 1, Dr.-Karl-Lueger-Ring 2, 01/532 49 99, MoFr 1124, Sa 1824 |
