Barcode: Die Lieblinge der Barkeeper
07.06.2011 | 17:55 | von Werner Ringhofer (Die Presse - Schaufenster)
Kreativbars mit Molekulardrinks, Bars im lässigen Designeroutfit, im Luxuskleid oder in luftiger Höhe. Es gilt dasselbe wie für Mode: Irgendwie ist immer alles möglich. Barkeeper weltweit haben uns ihre Lieblinge verraten.
Zukunft und Vergangenheit kollidieren in der „Apotheke“ in New York, um wie in einem Atomreaktor zu einem Ganzen zu verschmelzen. Das Design mit großen Ohrensesseln, Tapeten mit Doppeladlermuster und chemischen Formeln auf den Ziegelwänden ist eine Mischung aus alteuropäischer Apotheke, Biedermeier und Absinthbude, dabei war das Gebäude früher angeblich eine Opiumhöhle. Die Rede ist von einer Bar, klar – die Kreationen, die in der Apotheke gemixt werden, sind der neue Trend.
Medizinfläschchen, große braune und bauchige durchsichtige, beherbergen feine Essenzen, die in den Händen von Albert Trummer zu futuristischen Drinks mutieren. Der Alchemist verfeinert sie mit selbst gebranntem Absinth, unzähligen exotischen Kräutern, Gewürzen und Ölen. „Nein, ich bin kein Barkeeper“, sagt der erfolgreiche Österreicher, „ich bin Apotheker“. Und was macht ein Apotheker? Er kuriert Menschen. „Wir betrachten den Kunden als Patienten“, sagt Trummer, „hast du ein gebrochenes Herz, hilft Champagner mit Orangenöl und Rosmarin, gegen hohen Blutdruck empfehle ich einen bitteren Drink. Und wir haben einen speziellen Bourbon mit einer Zitronen-Thymian-Infusion, die bei Kopfweh hilft.“
Caipirinha und Mojito – bloß so – sind out. Auch Molekularmixer Eban Freeman stellt in seiner New Yorker Tailor-Bar die Welt der Cocktails lustvoll auf den Kopf. Wie wär’s mit einem Drink aus Gin Fizz, Marshmallows und Frühstücksflocken? Freeman bietet genauso konventionelleren Stoff an, obwohl das bei ihm ein relativer Begriff ist. Für seine Schöpfungen räuchert er gerne Colasirup über Kirschholz, auch einen Bazooka gibt es – Wodka, dem Kaugummiaroma eingehaucht wurde. Rum wird mit einem Geschmack von brauner Butter und Nelken aufgepeppt, und gerne verwendet Freeman Orangenschäumchen als Zusatz. In so einer Bar wäre natürlich gewöhnliches Essen ein Frevel. Hühnerflügel werden mit Fleischkleber zu Briketts geformt und mit Kokosmilch und Schimmelkäse überzogen, Ochsenschwanz wird mit Hibiskus geschmort, dazu gibt es Knochenmark-Tarte. Kakaognocchi mit Limonenpüree und Kakaoöl stehen auch noch auf der Karte.
Sehen und gesehen werden. Bars wie das Murano Urban Resort in Paris locken mit Design. An den Wänden leuchtet Leder in Orange, Hellblau, Weinrot, Pink und Lila, an der Decke sieht man Scheiben, die wie bunte Ufos im Baräther schweben, und die lange dunkelgraue Bar flirtet mit knallbunten Sesseln. In der Berliner Bar Tausend bleiben die Gäste erstmal ungläubig stehen. Die Decke ist mit Metallplatten wie mit Schuppen überzogen, an den Wänden gehen sie in flächendeckende Spiegel über. Am Ende des Raumes erstrahlt eine riesige Lichtinstallation. Odyssee im Weltraum drängt sich als Assoziation auf, es könnte auch ein Windkanal sein. In den Sitzecken lümmeln Filmer, Models, DJs und Werber, man prostet sich mit Champagner zu, will se-
hen und gesehen werden. Andere trinken Pink Mojito, eine Komposition aus Minze und Erdbeere, der Caravan vereint Rum mit Dattelsirup und Limone, beim Ginger Chio trifft Sake auf Ingwer.
Prunk, Höhenluft und Promis. Auch an anderen Orten wird geklotzt. In der Tsuki-Bar in Tokio installierte der japanische Designer Morita Yasumichi eine edle Kombination aus Glas und Holz, 187 prunkvolle rosenförmige Kronleuchter funkeln von der Decke. Sichern Sie sich die besten Plätze: die roten Stühle direkt an der Bar. Vorher oder nachher geht man shoppen, die Bar liegt direkt in der berühmten Einkaufsstraße Ginza.
Hoch-Gefühle garantieren die Dachbars. Im Luxusgourmettempel Vertigo in Bangkok ragt die Bar mit einem Bug auf dem 61. Stockwerk des Banyan Tree Hotels wie ein Piratenschiff in das imposante Lichtermeer. Die Sirocco-Bar im 63. Stock des Lebua-Hotels, ebenfalls in Bangkok, ist sogar die höchste der Welt. Auf einer metallisch schimmernden Plattform wurde sie in Kreisform gebaut und leuchtet abwechselnd in Zitronengelb und Brombeer. In die Luft geht man auch in Barcelona: im Hotel 1898. Vom Dach des Hotels betrachtet man den Lichterteppich, während sich Chill-out-Sound in den Gehörgang schmeichelt. Entspannte Menschen wie aus einem Modemagazin schweben mit Cocktails, räkeln sich auf Liegen oder kühlen ihre Beine im Pool.
Coole Klassikdrinks und Luxusstyling, diese Melange ist immer hip. Wo man unbedingt noch hinsollte, wenn es Zeit und Geld erlauben: In Miami öffnet im Oktober das W-Hotel neu mit lässiger Bar – einer Mischung aus Marmor, violetten Sofas und dunklem Holz. In London regieren im Sketch weiße Lederwände, eiförmige Toiletten und pinkes Licht.
Der Kingly-Club ist der Platz, an den James Bond eine Frau mitnehmen würde: sehr chic mit weißen Sofas und beleuchteten Ringen an der Wand. Drinks bekommt man auch – geschüttelt und gerührt. Und in der Black Calvados in Paris, der Serge Gainsbourg sogar einen Song widmete, trifft man Charlotte Casiraghi, Demi Moore und Lenny Kravitz. Der nachtschwarze Designerclub ist extra spärlich beleuchtet – wohl um die Falten seiner Gäste zu kaschieren.
| TIPPS |
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| Bar-Musts Design Bar Tausend: Schiffbauerdamm 11, Berlin. www.tausendberlin.com Murano Urban Resort: Boulevard du Temple 3, Paris. www.muranoresort.com Tsuki-Bar: Ginza 8-6-20, Chouku, 104-0061, Tokio Kreativ Apotheke: Doyers Street 9, New York, www.apothekebar.com Tailor: 525 Broome Street, New York, www.tailornyc.com Open Air Hotel 1898: La Rambla 109, Barcelona, www.hotel1898.com Vertigo: 211 Upper Bukit Timah Road, Bangkok, www.banyantree.com/en/bangkok/index.html Sirocco-Bar: 1055 Silom Road, Bangkok, www.lebua.com/bangkok/dining/sirocco Luxus Sketch: Conduit Street 9, London W1S 2XG. www.sketch.uk.com Kingly Club: Kingly Court 4, London W1B 5PW. www.kinglyclub.com Black Calvados: Avenue Pierre-1er-de-Serbie 40, 75008 Paris. W-Hotel South Beach: Collins Avenue 2201, Miami. www.starwoodhotels.com |
