Pillen: Du bist, was du isst
23.09.2009 | 19:25 | von Petra Percher (Die Presse - Schaufenster)
Für Haut, Haare und Nägel kommen immer mehr Pillen auf den Markt. Frei nach dem Motto: Schönheit kommt von innen. Aber stimmt das auch?
Klingt ganz schön verlockend: Morgens schmieren wir uns zur Hautstraffung Norelift-Marmelade in der Geschmacksrichtung Melone-Mango aufs Brot, im Büro gibt’s das Joghurt Essensis, das die Feuchtigkeit der Haut regulieren soll, und abends leeren wir ein Fläschchen Collalift-Wasser, mit dem man sich laut Beipackzettel „in 42 Tagen jünger trinken kann“. Vorm Fernseher dürfen wir dann mit gutem Gewissen ein Packerl Marshmallows mit Grapefruitgeschmack naschen. Schließlich verspricht Hersteller Eatyourselfbeautyful damit eine Extraportion Kollagen zur Aufpolsterung der Haut.
Aber langsam. In unseren Breiten bekommt man sogenanntes Beautyfood bis jetzt vor allem in einer Form: als Kapsel. Frei nach dem Motto: A pill a day keeps Botox away. Haben unsere Eltern uns noch mit Multibionta aufgepeppt, wächst die Liste der Anbieter von Tag zu Tag und wird eigentlich nur von der der Versprechungen übertroffen. Einige Beispiele gefällig, was man sich heute alles ins Badezimmer stellen kann? Bitte! Vitabiotics holt soeben den „Beauty-Booster aus London“, Perfectil Premium, nach Österreich. Er soll die Hautgesundheit fördern, den Teint vor den Zeichen vorzeitiger Alterung bewahren und bestehende Schäden reparieren.
Mitbewerber Oenobiol startet mit einem Nahrungsergänzungsmittel für Problemhaut. „Reine Haut“ lautet der verlockende Titel. Und bereits auf der Verpackung wird zugesichert, dass Pickel dank der antibakteriellen Wirkung des patentierten Efacnol um 52 Prozent reduziert werden. Und das schon bei empfohlenen zwei Pillen am Tag. Zuvor hat der französische Anbieter bereits Kapseln für Anti-AgeQ10, Haarfülle oder Augenkontur entwickelt.
Das Geschäft mit Verschönerungspillen floriert und wird in der Branche schon als nächster großer Trend nach den Anti-Aging-Cremes gesehen. Als endgültige Bestätigung dafür gilt das Engagement von Megakonzernen wie dem Nahrungsmittelriesen Nestlé und dem Schönheitsriesen L’Oréal. Gemeinsam haben sie unter der Marke Innéov Tabletten und Erdbeer-Pfirsich-Drinks gegen Cellulite, schwere Beine oder Haarausfall herausgebracht. Die neueste Entwicklung startet in Großbritannien unter dem bescheidenen Titel „Imperfections“. Bei uns werden die neuen Pillen weniger sexy „Unreine Haut“ heißen und sie sagen den Kampf gegen alles an, was stört: Mitesser, gereizte Haut, große Poren. Magnesium und Vitamin B6 sollen nervöse Haut beruhigen, Traubenkerne und Vitamin C für den gesunden Teint sorgen. Die Celebrity-verwöhnte Biokosmetikmarke The Organic Pharmacy bietet gleich eine ganze Palette an Kapseln an. Interessant: „Superoxidant“ zur Bekämpfung der für die Haut schädlichen freien Radikalen.
Die Einnahme von Antioxidantien als Anti-Aging-Mittel hält Ernährungswissenschaftlerin Petra Bareis-Kofler von 2eat-Consulting für durchaus sinnvoll. „Eine wirksame Dosis kann man bei einer herkömmlichen Ernährung nur mühsam schaffen.“ Erstens gehe der Anteil an Vitaminen im heute verkauften Obst und Gemüse zurück. Zweitens müsste man für einen Effekt teils unrealistische Mengen zu sich nehmen – als natürliches Antioxidantium zum Beispiel eine volle Kanne grünen Tee. Täglich über einen langen Zeitraum. Zu wenig Gesundes ist eben genauso schlecht für die Haut wie zu viel Ungesundes. Deswegen warnt Beautydoktor Markus Metka vor Ernährungsfehlern: Fett, Zucker und Weißmehl stehen da ganz oben. „Die Haut verliert an Elas-tizität und es bilden sich mehr Falten.“ Wenn man vier Wochen lang darauf verzichtet, so Metka, würde die Haut garantiert um ein Jahrzehnt jünger wirken.
Zukunftsprodukte. Metka und Bareis-Kofler sind sich einig, dass Nahrungsergänzungsmittel niemals eine ausgewogene Ernährung ersetzen können. Als Entscheidungshilfe für den nächsten Einkauf gibt uns die Ernährungsexpertin noch die „großen acht für die ewige Jugend“ mit auf den Weg in den Supermarkt: kaltgepresstes Olivenöl, Beeren, Soja, Paradeiser, Walnüsse, rote Trauben, fetter Fisch (Omega 3-Fettsäure) und grüner Tee.
Und vielleicht dürfen wir bald schon in ganz anderen Regalen reuelos zugreifen: Eatyourselfbeautyful brütet nämlich bereits an Zukunftsprodukten. Honig vom Manukastrauch zum Beispiel wegen der antibakteriellen Wirkung. Weitere sollen
auf Basis von Kaffee, Schokolade und Rotwein folgen. Sogar diesen absoluten No-Nos wird in geringen Mengen eine antioxidative Wirkung nachgesagt.
